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Qualitätsziel

Selten eingriffsspezifische, behandlungsbedürftige Komplikationen in Abhängigkeit vom OP-Verfahren

Qualitätsindikator

Indikatortyp: Ergebnisindikator

Bei diesem Qualitätsindikator werden verschiedene eingriffsspezifische Komplikationen subsumiert, die in wissenschaftlichen Studien zur Beurteilung der Ergebnisqualität herangezogen werden.

Gesamtmorbidität und -letalität sind bei der laparoskopischen Cholezystektomie mit der Einschränkung fehlender Daten des Evidenzgrads I deutlich geringer als bei der offenen Cholezystektomie (Shea et al. 1996). Allerdings ist die offene Cholezystektomie auch heute in Einzelfällen noch indiziert. 

Die Rate an eingriffsspezifischen Komplikationen bei der laparoskopischen Cholezystektomie wird in einer Metaanalyse mit 1,35% angegeben (Hölbling et al. 1995). Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass aufgrund unterschiedlicher Definitionen von Komplikationen und differierender Erfassungszeiträume ein Vergleich nur eingeschränkt möglich ist.

Verletzungen des Ductus hepatocholedochus einschließlich seiner Begleitstrukturen im Ligamentum hepatoduodenale sind mit einer signifikanten Morbidität und Letalität belastet (Shea et al. 1996). Während zu Beginn der 1990er Jahre die Rate an Gallengangverletzungen bei laparoskopischer Cholezystektomie noch höher lag als bei der offenen Operation, haben sich diese Unterschiede mittlerweile nivelliert (Birth et al. 2003).

Bei der Durchtrennung oder Okklusion des Ductus hepatocholedochus handelt es sich um eine seltene, schwerwiegende Komplikation. Daher wird das Auftreten dieser Komplikation als Sentinel-Event-Indikator eingesetzt. Es sollte für alle diese Fälle eine Einzelfallanalyse im Strukturierten Dialog erfolgen.

Methodik

Methode der Risikoadjustierung

Stratifizierung

Qualitätskennzahl

Eingriffsspezifische Komplikationen

Mindestens eine eingriffsspezifische Komplikation

Zusätzliche Informationen zu dieser Qualitätskennzahl finden Sie auf der Website www.bqs-qualitaetsindikatoren.de unter der Kennzahl-ID 44801.

Rechenregel

Zähler: Patienten mit mindestens einer eingriffsspezifischen behandlungsbedürftigen Komplikation (Blutung, periphere Gallengangsverletzung, Okklusion oder Durchtrennung des DHC (Ductus hepatocholedochus, gemeinsamer Gallengang), Residualstein im Gallengang oder Sonstige)

Grundgesamtheit: Alle Patienten

Referenzbereich

Referenzbereich: ≤ 9,0% (95%-Perzentile)

Erläuterung zum Referenzbereich: Hohe Variabilität der Ergebnisse. In Metaanalysen von kontrollierten Studien erreichte Komplikationsraten können aufgrund von Selektionsverzerrungen nicht für einen validen Vergleich herangezogen werden.

Vergleichbarkeit mit Vorjahresergebnissen

Vorjahresergebnisse sind nur eingeschränkt vergleichbar.

Gründe:
  1. Es sind Eingriffe mit operativer Revision der Gallengänge in den Katalog der einbezogenen Leistungen neu aufgenommen worden.
  2. Die Abfrage der „Eingriffsspezifischen behandlungsbedürftigen intra- und postoperativen Komplikationen“ wurde geändert. Die Datenfelder „Okklusion oder Durchtrennung des DHC“, „Residualstein im Gallengang“ und „Sonstige“ wurden neu aufgenommen.

Qualitätskennzahl

Eingriffsspezifische Komplikationen Okklusion oder Durchtrennung des DHC (Ductus hepatocholedochus, gemeinsamer Gallengang)

Zusätzliche Informationen zu dieser Qualitätskennzahl finden Sie auf der Website www.bqs-qualitaetsindikatoren.de unter der Kennzahl-ID 64980.

Rechenregel

Zähler: Patienten mit Okklusion oder Durchtrennung des DHC

Grundgesamtheit: Alle Patienten

Referenzbereich

Referenzberich: Sentinel Event

Erläuterung zum Referenzbereich: Bei der Durchtrennung oder Okklusion des Ductus hepatocholedochus handelt es sich um eine seltene, schwerwiegende Komplikation, die teilweise vermeidbar ist. Daher sollte für alle diese Fälle eine Einzelfallanalyse erfolgen.

Vergleichbarkeit mit Vorjahresergebnissen

Die Kennzahl wurde 2004 erstmalig ausgewertet, da das entsprechende Datenfeld neu eingeführt wurde.

Bewertung

Bei der Bewertung der Ergebnisse zu diesem Indikator ist zu berücksichtigen, dass im Gegensatz zur wissenschaftlichen Literatur (Höbling et al. 1997, Shea 1996) intra- und postoperative eingriffspezifische Komplikationen zusammengefasst werden. Die Gesamtrate von 3,95% bei allen Operationen kann daher als Ausdruck zufrieden stellender Versorgungsqualität gewertet werden. 58 von 1.194 Krankenhäusern haben eingriffsspezifische Komplikationsraten über dem Referenzbereich von 9,0% (95%-Perzentile der Krankenhausergebnisse) dokumentiert und sollen im Strukturierten Dialog um Stellungnahme gebeten werden.

Der Vergleich der Gesamtrate 2004 (3,95%) mit der Vorjahresrate (2,64%) ist nur eingeschränkt möglich, da ein neues Datenfeld „eingriffsspezifische behandlungsbedürftige intra- und postoperative Komplikationen: Sonstige“ im Jahr 2004 neu eingeführt worden ist. Mit auffälligen Krankenhäusern soll im Strukturierten Dialog analysiert werden, welche Komplikationen in diesem neuen Feld „Sonstige“ dokumentiert worden sind.

Bei den peripheren Gallengangverletzungen ist eine Steigerung der Komplikationsrate von 0,28 auf 0,39% festzustellen.

Die intraoperative Okklusion oder die Durchtrennung des Ductus hepatocholedochus stellen mit einer Rate von 0,17% auch in der BQS-Bundesauswertung 2004 seltene Sonderfälle einer intraoperativen Verletzung der Gallenwege dar. Auffällig ist die Spannweite der Ergebnisse, die bei einzelnen Krankenhäusern mit mindestens 20 Eingriffen in dieser Grundgesamtheit eine Rate von 0 bis 4,7% erreicht.

In einer Metaanalyse von Ludwig et al. (2002) wurden diese Komplikationen bei 327.532 laparoskopischen Cholezystektomien insgesamt 196-mal beobachtet (0,05%). Die Konsequenzen dieser Komplikation können für den Patienten gravierend sein. Birth et al. (2003) weisen darauf hin, dass in 0,2 bis über 1% der Fälle Verletzungen des Ductus hepatocholedochus einschließlich seiner Begleitstrukturen im Ligamentum hepatoduodenale mit einer signifikant erhöhten Morbidität und Letalität einhergehen. Das klinische Beschwerdebild ist abhängig von prognostischen Faktoren wie der Art, Lokalisation und dem Ausmaß der Verletzung, aber auch vom Zeitpunkt der Erkennung und der primären Versorgung. Im Langzeitverlauf kann es zu rezidivierenden Gallenwegsstenosen oder zur chronischen Cholangitis kommen. Gegebenenfalls sind wiederholte Korrektureingriffe erforderlich. Als schwerwiegendste Komplikation ist die Entwicklung einer biliären Zirrhose mit der konsekutiven Notwendigkeit einer Lebertransplantation wiederholt beschrieben worden (Shea 1996, Shallaly 2000, MacFadyen 1998).

Unter Berücksichtigung dieser teilweise sehr weit reichenden Konsequenzen für den Gesundheitszustand des Patienten hält die Fachgruppe Viszeralchirurgie bei jedem Fall, bei dem eine Okklusion oder Durchtrennung des Ductus hepatocholedochus aufgetreten ist, eine Einzelfallanalyse im Strukturierten Dialog für erforderlich. Die Ergebnisse dieser Fehleranalyse sollten für ein Fehlermanagement zukünftig in allen Krankenhäusern nutzbar gemacht werden.