Zusammenfassung
Ein Dekubitus (Druckgeschwür durch Wundliegen) ist eine durch länger
anhaltenden Druck entstandene Wunde der Haut und des darunter liegenden
Gewebes. Ein Dekubitus stellt immer eine schwerwiegende Komplikation
dar. Im Mittelpunkt der Auswertung steht die Erfassung der
Ergebnisqualität der Dekubitusprophylaxe (Vorbeugung von
Dekubitalgeschwüren). Zu diesem Thema liegt seit dem Jahr 2000 ein
evidenzbasierter nationaler Expertenstandard des Deutschen Netzwerks
für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) vor.
Im Jahr 2004 wurden Daten zur Dekubitusprophylaxe in Teildatensätzen
erfasst, die an fünf orthopädisch-unfallchirurgische und drei
herzchirurgische Leistungsbereiche gekoppelt waren. In diesen
Leistungsbereichen werden zumeist Patienten erfasst, die in besonderem
Maße gefährdet sind, einen Dekubitus zu entwickeln. Als Risikofaktoren
gelten u.a. ein höheres Lebensalter, Immobilität, Schmerz,
Operationsdauer und Mangeldurchblutung.
Ausgewertet werden konnte daher die Ergebnisqualität der Dekubitusprophylaxe für die Leistungsbereiche:
- hüftgelenknahe Femurfraktur
- Hüft-Endoprothesen-Erstimplantation
- Hüft-Endoprothesen-Wechsel
- Knie-Totalendoprothesen-Erstimplantation
- Knie-Totalendoprothesen-Wechsel
- isolierte Koronarchirurgie
- isolierte Aortenklappenchirurgie
- kombinierte Koronar- und Aortenklappenchirurgie
Darüber hinaus erfolgten vier leistungsbereichsübergreifende Auswertungen:
- elektive Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenk (Leistungsbereich 2 bis 5)
- alle orthopädisch-unfallchirurgischen Eingriffe (Leistungsbereich 1 bis 5)
- Herzchirurgie (Leistungsbereich 6 bis 8)
- Gesamtauswertung für alle Leistungsbereiche mit Teildatensätzen Dekubitusprophylaxe (Leistungsbereich 1 bis 8)
Die Berichterstattung im BQS-Qualitätsreport 2004 erfolgt für den
Qualitätsindikator „Neu aufgetretene Dekubitalgeschwüre während des
Krankenhausaufenthaltes“ (Dekubitusinzidenz) für die Auswertungen
„Dekubitusprophylaxe bei hüftgelenknaher Femurfraktur“,
„Dekubitusprophylaxe bei elektiver Endoprothetik von Hüft- und
Kniegelenk“, „Dekubitusprophylaxe in der Herzchirurgie“ und die
Gesamtauswertung. Die Dekubitusinzidenz ist ein international häufig
eingesetzter Indikator der Pflegequalität.
Im Leistungsbereich „Dekubitusprophylaxe bei hüftgelenknaher
Femurfraktur“ lag die Rate der Dekubitusinzidenz bei 3,46%. Die
Krankenhausergebnisse waren sehr heterogen: 0,0 bis 27,3% bei den
Krankenhäusern mit mindestens 20 Fällen in der Grundgesamtheit. 108 von
1.123 Krankenhäusern weisen eine Rate von über 8,7% (≤90%-Perzentile)
auf und gelten als auffällig.
Die Rate für das Auftreten eines Dekubitus im Leistungsbereich
„Dekubitusprophylaxe bei elektiver Endoprothetik von Hüft- und
Kniegelenk“ lag bei 0,87%. Die niedrigste Rate bei den
Krankenhausergebnissen war 0,0%, die höchste Rate lag bei 15,0%. 101
von 1.013 Krankenhäusern liegen mit ihren Ergebnissen über dem
Referenzbereich von 2,6% (≤ 90%-Perzentile).
Im Leistungsbereich „Dekubitusprophylaxe in der Herzchirurgie“ trat
bei einem Anteil von 1,82% der Patienten im Rahmen des
Krankenhausaufenthaltes ein Dekubitus neu auf. Auch in diesem
Leistungsbereich zeigte sich eine auffällige Spannweite der
Krankenhausergebnisse von 0,0 bis 13,0%. Sieben von 76 Krankenhäusern
liegen mit ihrem Ergebnis über dem Referenzbereich von 3,2% (≤
90%-Perzentile).
In der Gesamtauswertung aller pflegerischen Teildatensätze lag die
Rate für das Neuauftreten eines Dekubitus bei 1,54%. Die Spannweite der
Krankenhausergebnisse war mit 0,0 bis 20,8% sehr groß. Ein
Referenzbereich wurde für diese Auswertung aufgrund des heterogenen
Patientenkollektivs nicht festgelegt.
Ein Vergleich der Ergebnisse aus der BQS-Bundesauswertung 2004 mit
Daten aus nationalen und internationalen Erhebungen ist nach Ansicht
der Fachgruppe problematisch. Die vorliegenden Untersuchungen
unterscheiden sich erheblich in der Methodik der Erfassung, der
Erhebungszeitpunkte und der beobachteten Kollektive. Daher werden sehr
unterschiedliche Raten berichtet (0,9 bis 38%). Die Fachgruppe Pflege
hat deshalb für den Referenzbereich eine Perzentile festgelegt.
Insgesamt erscheinen die Raten der BQS-Bundesauswertung 2004 niedriger als erwartet.
Eine Bewertung der Ergebnisse wird von der Fachgruppe Pflege als
problematisch betrachtet, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass
Dokumentationsschwierigkeiten ursächlich für die niedrigen Raten sind.
Daher sollen im Strukturierten Dialog neben den Krankenhäusern mit
auffällig hohen Raten auch Krankenhäuser mit auffällig niedrigen Raten
angesprochen werden, um eine mögliche Unterdokumentation erkennen zu
können.
Die Ergebnisse der BQS-Bundesauswertung 2004 zeigen, dass es sich
bei der Dekubitusprophylaxe um einen relevanten Versorgungsbereich
handelt, für den Qualitätsunterschiede zwischen Krankenhäusern sichtbar
wurden.