Zusammenfassung
Hüftgelenknahe Oberschenkelfrakturen sind häufige Verletzungen im
höheren und hohen Lebensalter. Es wird unterschieden zwischen einem
Bruch des Oberschenkelhalses und der gelenknahen pertrochantären
Oberschenkelfraktur.
Untersuchungen zu den Folgen einer hüftgelenknahen
Oberschenkelfraktur zeigen, dass ca. 20 bis 25% der Patienten in den
ersten sechs Monaten nach der Fraktur versterben. Unabhängig vom
Lebensalter stellen die hüftgelenknahen Oberschenkelfrakturen eine
Bedrohung der Selbstständigkeit im Alltag dar.
Eine verzögerte operative Behandlung bei der Schenkelhalsfraktur kann mit höheren Komplikationsraten einhergehen.
Die operative Versorgung innerhalb von 24 Stunden reduziert das
Risiko, Komplikationen wie z.B. einen Beinvenenverschluss (Thrombose),
einen Lungengefäßverschluss (Lungenembolie) oder ein Druckgeschwür
(Dekubitus) zu erleiden. Für osteosynthetisch (d.h. z.B. mit Platten,
Schrauben oder Nägeln) versorgte Patienten erhöht sich mit einer
verzögerten Versorgung die Gefahr des Absterbens des Oberschenkelkopfs
(Hüftkopfnekrose). Gerade bei jüngeren Patienten, bei denen meistens so
genannte mediale Schenkelhalsfrakturen auftreten, bemüht man sich, den
Oberschenkelkopf bei der Operation zu erhalten.
Die ASA-Klassifikation teilt den Allgemeinzustand der Patienten von
gut (ASA-Klasse 1) bis sehr schlecht (ASA-Klasse 5) ein. Für die Gruppe
der Patienten in gutem Allgemeinzustand (ASA 1 bis 2) mit
osteosynthetisch versorgter Schenkelhalsfraktur lag die Gesamtrate der
innerhalb von 24 Stunden operierten Patienten bei 81,11%. Diese Rate
ist deutlich niedriger als erwartet. Bei diesen Patienten besteht in
der Regel kein medizinischer Grund, die Operation verzögert
durchzuführen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass einige
dieser Patienten auch primär ohne Operation behandelt werden können und
die Entscheidung zur Osteosynthese bei diesen Patienten daher
sachgerecht erst später gefallen sein kann, z.B. nach Abrutschen eines
Knochenteils (Fragments). Die Patientengruppe ist mit 4.695
osteosynthetisch versorgten Patienten mit ASA 1 bis 2 relativ klein.
Lediglich 13 Krankenhäuser hatten mindestens 20 Fälle mit dieser
Konstellation dokumentiert. Immerhin zehn von diesen 13 Häusern liegen
unterhalb des Referenzbereichs. Im Strukturierten Dialog sollte gezielt
nach den möglichen Ursachen für die niedrigen Raten geforscht werden.
Die Rate der innerhalb von 24 Stunden operativ versorgten
pertrochantären Frakturen lag 2004 bei 79,38%. Ein fester
Referenzbereich für eine zeitgerechte Versorgung pertrochantärer
Frakturen konnte aufgrund der derzeitigen Literaturlage nicht
festgelegt werden. Eine Frühoperation zum Hüftkopferhalt ist bei der
pertrochantären Fraktur nicht erforderlich.
Damit Patienten an Rehabilitationsmaßnahmen teilnehmen können oder
allein in häuslicher Umgebung zurechtkommen, ist ein Mindestmaß an
Selbstständigkeit in der Durchführung der Aktivitäten des täglichen
Lebens notwendig.
In 69,47% der Fälle mit Schenkelhalsfraktur wurde das Qualitätsziel
erreicht, dass sich die Patienten bei Entlassung selbstständig
versorgen konnten. Angesichts der untersuchten Patientengruppe mit
einem Durchschnittsalter von 82 Jahren, von denen nur ca. 30% den
ASA-Klassen 1 bis 2 zugeordnet wurden, ist dies eine zu erwartende Rate
für einen kurzfristig überprüfbaren Operationserfolg.
Die Rate der Patienten, die die angestrebte Selbstständigkeit
erreichen, ist mit 66,02% bei pertrochantären Frakturen geringfügig
niedriger als bei Schenkelhalsfrakturen.