QualitätszielSeltenes Auftreten einer postoperativen Mediastinitis QualitätsindikatorIndikatortyp: Ergebnisindikator Die Mediastinitis ist eine schwere und potenziell lebensbedrohliche Komplikation in der Herzchirurgie. Sie tritt bei 1 bis 4% aller Operationen auf. Die Letalitätsrate wird mit bis zu 25% angegeben. Der Vergleich der Wundinfektionraten in der Literatur ist allerdings nur eingeschränkt möglich, da unterschiedliche Wund-Surveillance-Techniken angewandt werden und unterschiedliche Definitionen der tiefen sternalen Wundinfektion existieren (Parisian Mediastinitis Study Group 1996). Als Risikofaktoren gelten neben einer ausgeprägten Adipositas (Body Mass Index > 30kg/m2) der insulinpflichtige Diabetes mellitus und eine erneute Sternotomie während desselben stationären Aufenthaltes. Auch die Verwendung von einer oder beider Arteriae mammariae internae als Bypassgraft erhöht das Risiko, postoperativ eine Mediastinitis zu erleiden. Patientinnen, die wegen eines Mammakarzinoms bestrahlt worden sind, tragen ebenfalls ein höheres Risiko für diese Komplikation. Die routinemäßige prophylaktische perioperative Kurzzeitantibiotikagabe führt zu einer Reduktion der postoperativen Mediastinitisrate um etwa 80% (Kreter & Woods 1992). Mindestens 20% aller Patienten, die sich einer Herzoperation unterziehen, leiden unter einem Diabetes mellitus. Der Blutzuckerspiegel sollte dabei Werte von 200mg/dl nicht überschreiten (Furnary et al. 1999). Für diese Patienten hat sich in der perioperativen Phase die kontinuierliche intravenöse Insulintherapie als günstig zur Prophylaxe postoperativer Wundinfektionen erwiesen. In Anlehnung an den vom National Infections Surveillance System der US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) entwickelten Risikoscore wird die postoperative Mediastinitisrate nach Risikoklassen stratifiziert dargestellt (Culver et al. 1991). Methodik
Methode der RisikoadjustierungAdditiver Score QualitätskennzahlPostoperative Mediastinitis Zusätzliche Informationen zu dieser Qualitätskennzahl finden Sie auf der Website www.bqs-qualitaetsindikatoren.de unter der Kennzahl-ID 47902. RechenregelZähler: Patienten mit Mediastinitis oder tiefer Wundinfektion des Thorax als postoperativer Wundinfektion, Sternumrevision oder Rethorakotomie wegen Mediastinitis Grundgesamtheit: Alle Patienten mit CDC-Risikoklasse 0, die in ihrer ersten Operation isoliert koronarchirurgisch versorgt wurden Erläuterung der Rechenregel: Risikoklassen wurden gebildet gemäß
NNIS (National Nosocomial Infections Surveillance) der Centers for
Disease Control (Culver et al. 1991).
Patienten der CDC-Risikoklasse 0 haben keinen Risikopunkt. OP-Dauer > 75%-Perzentile: 220 min ReferenzbereichReferenzbereich: ≤ 2,9% (95%-Perzentile) Erläuterung zum Referenzbereich: Die Rate an postoperativer Mediastinitis kann bei einzelnen Krankenhäusern allein aufgrund geringer Fallzahlen von Jahr zu Jahr zwischen 0,5% und 2,5% schwanken. Der Vergleich mit den Daten der Literatur wird zusätzlich durch die unterschiedliche Definition der Mediastinitis erschwert. Die Fachgruppe verzichtete daher auf die Festlegung eines fixen Referenzbereiches. Vergleichbarkeit mit VorjahresergebnissenEine Vergleichbarkeit mit den Vorjahresergebnissen ist gegeben. Die Vorjahresergebnisse wurden mit den geänderten Rechenregeln zum Qualitätsindikator 2004 berechnet und weichen deshalb von der BQS-Bundesauswertung 2003 ab. BewertungDie Gesamtrate zu diesem Indikator liegt im Rahmen der aus der wissenschaftlichen Literatur bekannten Raten und spricht nach Auffassung der Fachgruppe für eine gute Versorgungsqualität. Drei Krankenhäuser überschreiten den für die Risikoklasse 0, also für Patienten ohne präoperative Risikofaktoren, festgelegten Referenzbereich der 95%-Perzentile (≤ 2,9%) und werden im Strukturierten Dialog um Stellungnahme zu ihren Ergebnissen gebeten. Im Strukturierten Dialog 2003 zur postoperativen Mediastinitis in der Risikoklasse 0 sind ebenfalls drei Krankenhäuser kontaktiert worden. In diesen Krankenhäusern haben umfangreiche interne Analysen zu den Ergebnissen stattgefunden. Zwei Krankenhäuser haben für die Fachgruppe in nachvollziehbarer Weise dargelegt, dass bei den behandelten Patienten mit postoperativer Mediastinitis Risikofaktoren wie ein schwerer insulinpflichtiger Diabetes mellitus oder eine dialysepflichtige Niereninsuffizienz vorlagen, die durch das verwendete Risikoadjustierungsmodell unzureichend abgebildet wurden. In einem Krankenhaus hatten zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme bereits umfangreiche Maßnahmen stattgefunden, die zu einer Reduktion der Rate an postoperativer Mediastinitis geführt hatten. Die Ergebnisse aller drei Krankenhäuser lagen 2004 nicht im auffälligen Bereich. |