Zusammenfassung
Unter einer Koronarangiographie versteht man die Darstellung der
Herzkranzgefäße mittels Röntgenkontrastmittel. Mit ihr lässt sich die
Diagnose einer koronaren Herzkrankheit sichern oder ausschließen oder
das Ausmaß einer neu aufgetretenen oder länger bestehenden koronaren
Herzkrankheit beurteilen. Sie unterstützt den Arzt bei der
individuellen Therapieentscheidung.
Die perkutane transluminale Koronarangioplastie (PTCA) ist die am
weitesten verbreitete Katheterintervention. Dabei wird ein Katheter, an
dessen Ende ein kleiner Ballon befestigt ist, über einen Führungsdraht
bis zur Koronarstenose vorgeschoben. Durch Füllung des Ballons wird die
Stenose aufgeweitet (dilatiert). Eine entscheidende Weiterentwicklung
der Erfolgsrate erfuhr das Verfahren durch die Einführung der Stents
(Gefäßstütze aus medizinischem Edelstahl).
Es herrscht in den nationalen und internationalen Leitlinien
Übereinstimmung, dass die Koronarangiographie insbesondere dann
indiziert ist, wenn eine therapeutische Konsequenz im Sinne einer
Verbesserung der Durchblutung (Revaskularisation) zu erwarten ist.
Zudem sollten in der Regel Krankheitszeichen (z.B. Brustschmerz,
Luftnot oder Herzinfarkt) oder nicht operative Untersuchungen
(Belastungs-EKG o.Ä.) auf eine koronare Durchblutungsstörung (Ischämie)
hinweisen. Fehlten diese Kriterien und liegen keine sonstigen Zeichen
einer Ischämie vor, so ist eine Koronarangiographie nur in begründeten
Einzelfällen (z.B. vor geplanten Herzoperationen) indiziert.
In 90,84% der dokumentierten Koronarangiographien mit elektiver
(d.h. nicht Notfall-)Indikationsstellung wurde mindestens ein
klinisches oder ein durch apparative Untersuchung feststellbares
Ischämiezeichen dokumentiert. Die Verteilung der Krankenhausergebnisse
zeigt, dass nur in sehr wenigen Krankenhäusern diese Rate deutlich
unter 90% lag. Aus diesen Daten ergibt sich kein Anhalt für eine zu
großzügige Indikationsstellung im Sinne einer Fehl- oder Überversorgung.
Die Tatsache, dass bei der PTCA über die reine
Kontrastmittelinjektion hinaus an der Koronararterie mechanisch
eingegriffen wird, führt dazu, dass schwerwiegende Komplikationen hier
häufiger auftreten als bei der Koronarangiographie. Zu den schweren
Komplikationen zählen Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall (Major Adverse
Cardiac and Cerebrovascular Events = MACCE).
Aufgrund der unterschiedlichen Datendefinitionen,
Beobachtungszeiträume und Datenerhebungen ist eine Vergleichbarkeit mit
Daten aus anderen Registern nur eingeschränkt gegeben. Vor diesem
Hintergrund erscheint der Fachgruppe Kardiologie eine MACCE-Rate bei
PTCA von 1,14% als eine realistische Abbildung des Leistungsgeschehens.
Nachteilig ist allerdings die fehlende Validierung der Daten vor Ort,
die nach Ansicht der Fachgruppe dringend erforderlich ist.
Die Spannweite der MACCE-Raten auf Krankenhausebene liegt zwischen
0,0 und 8,5%. Mit den 18 Krankenhäusern, die außerhalb des
Referenzbereichs (≤ 3,6%, 95%-Perzentile) liegen, soll der
Strukturierte Dialog geführt werden. Auffällig im Sinne der
Dokumentationsqualität erscheint der Fachgruppe eine MACCE-Rate von 0%
bei hoher Fallzahl. Die Fachgruppe empfiehlt, dies auf Landesebene
besonders zu überprüfen.