Welche Rolle spielen Referenzbereiche für die Bewertung?
Für die Bewertung der Versorgungsqualität erfolgt ein Vergleich mit
Vorgaben oder Erwartungswerten. Diese normativen oder empirischen
Vorgaben sind von den Fachgruppen bei der BQS für fast alle
Qualitätsindikatoren als Referenzbereiche festgelegt worden. Ergebnisse
innerhalb der Referenzbereiche sind als unauffällige
Versorgungsqualität zu werten, während Ergebnisse außerhalb der
Referenzbereiche Auffälligkeiten kennzeichnen.
Für die Festlegung der Referenzbereiche verwenden die Fachgruppen bei der BQS folgende Informationsquellen:
- Leitlinien,
- wissenschaftliche Fachliteratur,
- Referenzerhebungen (klinische oder epidemiologische Register,
deutsche oder internationale Erhebungen zur Infektionsepidemiologie,
Qualitätssicherungsprojekte).
Die Fachgruppen und die BQS prüfen, ob eine Vergleichbarkeit der
Daten aus diesen Quellen mit den Ergebnissen der externen
Qualitätsdarstellung gegeben ist. Die Vergleichbarkeit kann
hauptsächlich aus folgenden Gründen eingeschränkt sein:
- unterschiedliche Beobachtungszeiträume,
- unterschiedliche Patientenkollektive,
- unterschiedliche Definitionen.
Zur Verdeutlichung ein Beispiel: In wissenschaftlichen
Untersuchungen werden Sterblichkeitsraten häufig über einen Zeitraum
von 30 Tagen erfasst. Der Beobachtungszeitraum für die externe
Qualitätsdarstellung ist dagegen auf den stationären Aufenthalt
begrenzt. Damit ist der Zeitraum der Beobachtung erstens variabel und
zweitens in der Regel kürzer. Man kann also die Ergebnisse der
wissenschaftlichen Untersuchungen nicht mit denen der externen
Qualitätsdarstellung gleichsetzen.
Stehen verwertbare Datenquellen nicht zur Verfügung oder ist die
erforderliche Vergleichbarkeit nicht gegeben, legen die Fachgruppen bei
der BQS die Referenzbereiche durch einen Expertenkonsens auf der Basis
klinischer Erfahrung fest. In diesen Fällen sind in der Regel keine
festen Werte, sondern Perzentilen als Referenzbereiche definiert
worden. Bei der Festlegung von Perzentilen wird berücksichtigt, dass
die Anzahl der auffälligen Krankenhäuser unter dem Aspekt der
praktischen Umsetzbarkeit des Strukturierten Dialogs möglichst nicht zu
hoch sein sollte.
Für einige Indikatoren werden obere und untere Perzentilen als
Grenzen für den Referenzbereich festgelegt. Beispiel: Die
Indikationsstellung zur brusterhaltenden Operation beim Mammakarzinom
muss unter Berücksichtigung vielfältiger Bedingungen erfolgen. Bei
Krankenhäusern mit extrem hohen oder extrem niedrigen Raten
brusterhaltender Operationen muss daher gleichermaßen hinterfragt
werden, ob bei der Indikationsstellung diese Bedingungen ausreichend
differenziert berücksichtigt worden sind. Diese Vorgehensweise folgt
internationalen Standards (JCAHO 1990, Mainz 2003a, GMDS 2003).