Bewusster Verzicht auf Risikoadjustierung bei kleinen Fallzahlen
Verfahren der Risikoadjustierung können dazu führen, dass zwar
homogene (gut vergleichbare) Kollektive betrachtet werden, die Fallzahl
in der betrachteten Grundgesamtheit aber eingeschränkt wird. Dies ist
der Fall bei Stratifizierungen und risikostandardisierten
Fallkonstellationen. Dadurch werden Unterschiede in den
Krankenhausergebnissen möglicherweise nicht mehr erkannt. Die erhöhte
Spezifität des Qualitätsindikators durch die Risikoadjustierung wird
mit einer eingeschränkten Sensitivität bezahlt. Tatsächliche
Qualitätsmängel werden möglicherweise nicht mehr erkannt. Da das
Verfahren des Strukturierten Dialogs es erlaubt, eine eingeschränkte
Spezifität durch die Analyse im Strukturierten Dialog aufzufangen, wird
in Leistungsbereichen mit kleinen Fallzahlen teilweise bewusst auf eine
Risikoadjustierung verzichtet oder der Strukturierte Dialog wird auf
der Basis einer nicht adjustierten Rate geführt.
Beispiel:
Im Leistungsbereich kombinierte Koronar- und Aortenklappenchirurgie
ist der Qualitätsindikator „Wundinfektionsrate“ nach einem validierten
additiven Score (NNIS-Score) adjustiert. Die Fallzahl bei der
risikoadjustierte Rate (Risikoklasse 0) ist allerdings so niedrig, dass
ein Krankenhausvergleich dadurch nicht mehr möglich ist. Daher hat die
Fachgruppe Herzchirurgie entschieden, trotz Verfügbarkeit einer
risikoadjustierten Rate den Strukturierten Dialog auf der Basis der
nichtadjustierten („rohen“) Wundinfektionsrate zu führen und die daraus
resultierende eingeschränkte Spezifität (falsch positive
Auffälligkeiten) im Strukturierten Dialog zu berücksichtigen.