Warum Risikoadjustierung?
Die Ergebnisse von Qualitätsindikatoren, insbesondere von
Ergebnisindikatoren, sollen durch Risikoadjustierung vergleichbar
gemacht werden. Ziel ist es, nach einer Risikoadjustierung
Qualitätsunterschiede im Sinne von Leistungsunterschieden zwischen
verschiedenen Leistungserbringern zu messen. Durch die
Risikoadjustierung werden Unterschiede im Patientenmix zwischen den
Krankenhäusern ausgeglichen (Iezzoni 2003, Ash et al. 2003).
Im internen Qualitätsmanagement eines Krankenhauses wird angestrebt,
die erreichbare Qualität für seine Patienten auch zu erreichen. Diese
Erreichbarkeit von Qualitätszielen ist jedoch teilweise beeinflusst
durch Merkmale der Patienten oder des Patientenmix (z. B.
Gesundheitszustand und Vorerkrankungen), welche neben Struktur- und
Prozesselementen das Behandlungsergebnis beeinflussen (Abbildung 1).
Will man Ergebnisse der medizinisch-pflegerischen Leistungen in
Krankenhäusern bewerten und vergleichen, müssen jene
Patienteneigenschaften (Risikoprofil) berücksichtigt werden, die
Auswirkungen auf die Ergebnisqualität haben, um den Qualitätsvergleich
fair zu gestalten (BQS 2004, 2005).
Krankenhäuser unterscheiden sich beträchtlich hinsichtlich der
Zusammensetzung ihrer Patientenpopulationen („Patientenmix“). So ist
einleuchtend, dass Krankenhäuser, die Patienten mit einem größeren
Risiko aufnehmen, a priori höhere Komplikationsraten und scheinbar
niedrigere Ergebnisqualität vorweisen. Deshalb ist es für eine
Bewertung notwendig, die Risikofaktoren zu kontrollieren, um die
gemessenen Raten der unterschiedlichen Versorgungsqualität den
Leistungserbringern zuschreiben zu können.
Ein rein deskriptiver Vergleich zwischen teilnehmenden
Krankenhäusern ohne Berücksichtigung der Einflussfaktoren würde zu
Fehlschlüssen führen: Krankenhäuser mit Niedrigrisiko-Patienten würden
besser bewertet als solche mit Hochrisiko-Patienten. Insbesondere die
Ergebnisindikatoren, die im BQS-Verfahren 55% aller
Qualitätsindikatoren (verpflichtende Leistungesbereiche)
repräsentieren, erfordern daher eine Adjustierung für die
Risikosituation der Patienten (BQS 2005, Ash et al. 2003).
Qualitätsindikatoren können für sehr unterschiedliche Anwendungen in
der Bewertung der Qualität der Leistungserbringung im Gesundheitswesen
eingesetzt werden (Tabelle 1). Die Anforderungen an die
Risikoadjustierung variieren zwischen den Anwendungsfeldern.