Warum Strukturierter Dialog?
Der Strukturierte Dialog mit Krankenhäusern ist eine ergebnisoffene
Form der Kommunikation mit dem Ziel, Krankenhäuser bei ihrem
kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu unterstützen. Dazu werden von
der BQS-Fachgruppe Herzchirurgie zunächst Auffälligkeitsbereiche für
die Ergebnisse zu den BQS-Qualitätsindikatoren festgelegt.
Krankenhäuser, deren Ergebnisse außerhalb der Referenzbereiche liegen,
werden von der BQS um eine schriftliche Stellungnahme zu ihren
Ergebnissen gebeten. Im Dialog mit den auffälligen Krankenhäusern
können so die Ursachen für die Auffälligkeiten identifiziert und
Ansätze für Veränderungen aufgedeckt werden.
„Strukturiert“ ist der Dialog dabei in zweifacher Hinsicht:
Zum einen ist der Dialog mit auffälligen Krankenhäusern als
Stufenkonzept angelegt und sieht im ersten Schritt eine schriftliche
Analyse der Auffälligkeiten und die Darstellung konkreter
Verbesserungsmaßnahmen durch das Krankenhaus vor. Danach sind in
abgestufter Reihenfolge ein Gespräch mit Zielvereinbarungen und eine
Begehung des Krankenhauses vorgesehen. Die Deanonymisierung eines
Krankenhauses gegenüber dem Gemeinsamen Bundesausschuss erfolgt, wenn
im weiteren Verlauf keine Verbesserung der Versorgungsqualität des
Krankenhauses erkennbar wird oder sich ein Krankenhaus dem Dialog
verweigert.
Die Analyse der Stellungnahmen auffälliger Krankenhäuser findet ebenfalls in strukturierter Form nach folgenden Kriterien statt:
- Ist die Auffälligkeit tatsächlich durch ein Qualitätsproblem
verursacht oder ist die Auffälligkeit durch methodische Limitationen
des Qualitätsindikators begründet? Liegt hier ein Problem der
Versorgung oder der Dokumentationsqualität vor?
- Wurde das Problem bereits vom Krankenhaus erkannt?
- Wurden ggf. Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung ergriffen?
- Halten die Experten der BQS-Fachgruppe Herzchirurgie diese Maßnahmen für Erfolg versprechend?
- In welchem Zeitraum soll eine Umsetzung dieser Maßnahmen und ihre
Auswirkung auf die Behandlungs- oder Dokumentationsqualität überprüft
werden?
Im Strukturierten Dialog 2003 wurden insgesamt 18 herzchirurgische
Krankenhäuser kontaktiert. 14 dieser Krankenhäuser lagen mit ihren
Ergebnissen außerhalb der definierten Referenzbereiche zu den
BQS-Qualitätsindikatoren in den herzchirurgischen Leistungsbereichen.
Zwei Krankenhäuser hatten im Leistungsbereich isolierte
Koronarchirurgie eine Krankenhaussterblichkeit von unter 1%
dokumentiert und galten daher als auffällig in Bezug auf die
Dokumentationsqualität. Zwei Krankenhäuser zeigten sowohl auffällige
Ergebnisse als auch eine auffällige Dokumentationsqualität.
Alle 18 Krankenhäuser haben umfangreiche interne Analysen ihrer
Auffälligkeiten durchgeführt und die Ergebnisse dieser Analysen
gegenüber der Fachgruppe Herzchirurgie in schriftlicher Form dargelegt.
In 14 Fällen hat die Fachgruppe die Stellungnahmen der Krankenhäuser
akzeptiert, da bereits Erfolg versprechende Korrekturen an den internen
Prozessen vorgenommen worden waren oder die auffälligen Ergebnisse
durch die Behandlung von Hochrisikopatienten bedingt waren. In vier
Fällen wurden ergänzende Stellungnahmen angefordert. Zusätzlich haben
ein Expertengespräch und eine Begehung stattgefunden, an denen
Vertreter zweier herzchirurgischer Krankenhäuser, Vertreter der
BQS-Fachgruppe Herzchirurgie und Mitarbeiter der BQS teilgenommen
haben.
Das Ziel einer verbesserten Versorgungsqualität wird dabei durch zwei Ansätze verfolgt:
- Krankenhäuser, deren Ergebnisse nach Analyse durch die Experten
der BQS-Fachgruppe als auffällig gelten, erhalten im Rahmen von
Expertengesprächen Unterstützung bei der internen
Qualitätsverbesserung.
- Zugleich kann die Identifikation besonders guter
Versorgungsqualität in einzelnen Krankenhäusern im Sinne eines „Lernens
von den Besten“ wichtige Impulse geben für eine verbesserte
Versorgungsqualität aller Krankenhäuser.