„Lernen von den Besten“
Eine Begehung fand in einem Krankenhaus statt, das sowohl 2002 als
auch 2003 bei mehr als 1.500 Operationen im Leistungsbereich isolierte
Koronarchirurgie eine Krankenhaussterblichkeit von unter 1%
dokumentiert hatte. Die bundesweite Gesamtrate zur
Krankenhaussterblichkeit lag im Jahr 2002 bei 2,78% und 2003 bei 3,15%.
Die dokumentierte Rate war auf Nachfrage vom Krankenhaus in für die
Fachgruppe nachvollziehbarer Form bestätigt worden. Im Dialog vor Ort
hat das Krankenhaus die internen Dokumentationsprozesse explizit
dargestellt und die an die BQS berichtete Krankenhaussterblichkeitsrate
verifiziert. Bei der gemeinsamen Analyse der in diesem Krankenhaus
etablierten Strukturen und Prozesse wurden im Rahmen einer Begehung
drei entscheidende Erfolgsfaktoren identifiziert:
1. Gute Kommunikationswege
Die Optimierung des abteilungsübergreifenden Behandlungsprozesses
steht in diesem Krankenhaus an oberster Stelle und erfolgt
funktionsübergreifend. In den Behandlungsablauf sind sowohl eine
herzchirurgische als auch eine kardiologische und eine
anästhesiologische Abteilung einbezogen. Es besteht eine enge
interdisziplinäre Zusammenarbeit mit kurzen Kommunikationswegen
zwischen den Abteilungen. Eine gute Kommunikation wird dabei sowohl
durch in diesem Krankenhaus implementierte EDV-Lösungen als auch durch
regelmäßige persönliche Kontakte
zwischen den am Behandlungsprozess Beteiligten sichergestellt. Zwischen
der herzchirurgischen und der kardiologischen Abteilung werden sowohl
Fragen der Indikationsstellung zur Operation bzw. perkutanen
koronaren Intervention diskutiert als auch die Behandlungsstrategien
für Risikopatienten festgelegt.
2. Frühe postoperative Mobilisation
In der operativen und frühen postoperativen Phase erfolgt eine enge
Abstimmung zwischen der herzchirurgischen und anästhesiologischen
Abteilung mit dem Ziel, die Patienten möglichst frühzeitig nach der
Operation zu mobilisieren. Auf diese Weise können 92,07% der Patienten
innerhalb von 12 Stunden nach der Operation extubiert werden
(Bundesdurchschnitt: 59,49%). Am ersten Tag nach der Operation sind
85,96% der Patienten bis zum Stehen mobilisiert (Bundesdurchschnitt:
40,70%).
3. Strukturierte Behandlungsabläufe
Die Behandlungsprozesse für herzchirurgische Patienten sind in
schriftlicher Form als detaillierte klinische Behandlungspfade
hinterlegt, die alle an der Behandlung herzchirurgischer Patienten
beteiligten Berufsgruppen einbeziehen. Abweichungen vom
Behandlungsstandard sind nur in begründeten Ausnahmefällen möglich.
Die dargestellten strukturellen und prozessualen Merkmale dieses
Krankenhauses werden im Strukturierten Dialog 2004 bei der Analyse von
Krankenhäusern mit auffälligen Ergebnissen zur In-Hospital-Letalität
herangezogen. Auf diese Weise können diesen Krankenhäusern konkrete
Wege zur Verbesserung von Strukturen und Prozessen aufgezeigt werden,
z. B. indem Behandlungsabläufe standardisiert und für alle am
Behandlungsprozess Beteiligten verbindlich festgelegt werden.
Während die Entwicklung neuer Risikoadjustierungsmodelle dazu
beiträgt, Auffälligkeiten bei Ergebnissen spezifischer zu
identifizieren, bietet das Konzept des „Lernens von den Besten“
gleichzeitig die Gelegenheit, auffällige Krankenhäuser bei der
Qualitätsverbesserung zielgerichtet zu unterstützen.