Qualitätsziel
Häufig antenatale Kortikosteroidtherapie (Lungenreifeinduktion) bei Geburten mit einem Schwangerschaftsalter von 24+0 bis unter 34+0 Wochen unter Ausschluss von Totgeburten
- ohne Betrachtung der präpartalen Verweildauer
- mit einem präpartalen stationären Aufenthalt von mindestens einem Kalendertag
- mit einem präpartalen stationären Aufenthalt von mindestens zwei Kalendertagen
Hintergrund des Qualitätsindikators
Die antenatale Kortikosteroidtherapie wird bei drohender Frühgeburt an die Mutter verabreicht, um die Lungenreifung beim Kind zu induzieren. In kontrollierten Studien konnte gezeigt werden, dass sich schwerwiegende bleibende Schäden und Todesfälle durch die Kortikosteroidtherapie erheblich reduzieren lassen (Crowley 2000). Bei korrekter Anwendung sind keine negativen Auswirkungen für Mutter oder Kind zu erwarten. Daher soll die Therapie in allen Fällen drohender Frühgeburt erfolgen, wenn dies vor der Geburt zeitlich noch möglich ist.
Bewertung
Bei Frühgeborenen mit einem Alter von 24+0 bis 34+0 Wochen und einer präpartalen stationären Verweildauer von mindestens zwei Tagen wurde in 70,94% der Fälle die Lungenreifebehandlung durchgeführt. Diese Gesamtrate von 70,94% verfehlt deutlich das im Referenzwert festgelegte Ziel von mindestens 95%. Es ist aber gegenüber dem Vorjahresergebnis von 62,08% ein deutlicher Anstieg um 8,86% zu verzeichnen. Dieser Anstieg bestätigt sich auch in den anderen Schichten der Auswertung. Die Spannweite der Ergebnisse liegt in allen Schichten unverändert sehr hoch.
Trotz dieses erfreulichen Anstiegs, der möglicherweise als Ergebnis der Intervention im Strukturierten Dialog und der durch die Ergebnisse des letzten Jahres ausgelösten Fachdiskussion zu verstehen ist, müssen die Gesamtrate und die hohe Spannweite weiterhin als Hinweise auf eine qualitativ nicht ausreichende Versorgungssituation gewertet werden. Im Vergleich der Bundesländer fällt auf, dass der Referenzwert nirgends erreicht wird und die Spannweite der Ergebnisse von 50,3 bis 86,8% reicht. Als ein Ergebnis der Diskussion des vergangenen Jahres wird inzwischen in der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe eine Leitlinie zur Lungenreifebehandlung entwickelt. Darüber hinaus wird die Leitlinie „Empfehlungen zum Vorgehen beim vorzeitigen Blasensprung“ derzeit überarbeitet.
Der Strukturierte Dialog 2005 auf der Basis von Daten des Erhebungsjahres 2004 wurde mit 117 Abteilungen durchgeführt. 12 Abteilungen legten keine Stellungnahme vor. 80 Krankenhäuser verwiesen auf Dokumentationsprobleme, hier gab es häufig Hinweise darauf, dass extern durchgeführte Kortikoidtherapie nicht dokumentiert wurde. Das entsprechende Datenfeld des BQS-Datensatzes wurde daher bereits 2006 in den Geburtsabschnitt verlegt. 15 Krankenhäuser führten besondere Einzelfälle an, was sie durch die Epikrise untermauerten. 24 Krankenhäuser wurden als qualitativ auffällig bewertet und erforderliche Maßnahmen ergriffen. Die BQS-Fachgruppe weist an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass der Referenzbereich bei diesem Indikator für einen vorgeburtlichen stationären Aufenthalt von mindestens zwei Kalendertagen definiert ist. Hinweise auf ein rasches oder dringliches Geburtsgeschehen, wie von auffälligen Krankenhäusern häufig angeführt, können daher nicht als ausreichende Erklärung angesehen werden, da in solchen Fällen bei diesem Indikator keine Auffälligkeit angezeigt wird.