Qualitätsziel
Geringe Anzahl Mütter mit Dammriss Grad III oder IV bei spontanen Einlingsgeburten
- Spontane Einlingsgeburten
- Spontane Einlingsgeburten ohne Episiotomie
- Spontane Einlingsgeburten mit Episiotomie
Hintergrund des Qualitätsindikators
Unter einer Spontangeburt wird eine vaginale Geburt ohne den Einsatz von Zange, Vakuumglocke oder Spezialhandgriffen verstanden. Dammrisse bezeichnen das Einreißen des Dammes oder auch des unteren Scheidendrittels unter der Geburt. Bei höhergradigen Dammrissen handelt es sich um schwerwiegende Verletzungen des Beckenbodens mit möglicherweise bleibenden Beeinträchtigungen. Es handelt sich daher um eine für die Patientin sehr bedeutsame Komplikation.
Bewertung
Die seit 1990 international publizierten Raten schwanken zwischen 0,6% (Sultan et al. 1994) und mehr als 16% (Klein et al. 1997). Methodische Probleme der Vergleichbarkeit lassen eine Wertung dieser Zahlen nicht zu.
Im Strukturierten Dialog 2005 auf der Basis von Daten des Erfassungsjahres 2004 wurden 37 Abteilungen von den Landesgeschäftsstellen für Qualitätssicherung angesprochen. Bei 7 lagen Dokumentationsprobleme vor, 11 verwiesen auf besondere Einzelfälle und untermauerten dies durch Vorlage der Epikrise. In der Gesamtbewertung wurden 14 Abteilungen als qualitativ auffällig eingestuft und entsprechende Maßnahmen veranlasst.
Trotz klarer Definition in der Literatur und in den Ausfüllhinweisen zum BQS-Datensatz wurde in Einzelfällen eine falsche Klassifikation verwendet bzw. die Diagnose eines Dammrisses Grad III nicht richtig gestellt.
Im Strukturierten Dialog mit den auffälligen Krankenhäusern soll auch der Frage der Indikationsstellung zum Dammschnitt nachgegangen werden. Insgesamt ist in geburtshilflichen Abteilungen ein Umdenken im Hinblick auf die Indikation zum Dammschnitt zu verzeichnen, er wird seltener und auch z.B. nicht mehr bei jeder Erstgebärenden durchgeführt. Es bleibt auch festzuhalten, dass in Deutschland trotz der vergleichsweise hohen Dammschnittrate, hier liegt Deutschland mit 34,08% in den BQS-Daten für alle vaginalen Geburten in Westeuropa auf einem hohen Platz (12,0 bis 49,5% Wildmann et al. 2003) und weltweit (9,27 bis 100% Graham et al. 2005) auf einem mittleren Platz, keine außergewöhnlich hohe Dammrissrate zu verzeichnen ist, wie aus den oben angeführten Raten aus wissenschaftlichen Untersuchungen ersichtlich wird. Erfreulich ist ferner, dass bei den Dammschnittraten seit 2002 ein Rückgang um rund 5% zu verzeichnen ist.