Qualitätsziel
Seltenes Auftreten einer postoperativen Mediastinitis
Hintergrund des Qualitätsindikators
Die Entzündung des Mittelfells (Mediastinitis) ist eine schwere und potentiell lebensbedrohliche Komplikation in der Herzchirurgie. Sie tritt in 1 bis 4% aller Operationen auf. Die Sterblichkeitsrate wird mit bis zu 25% angegeben (Eagle et al. 2004).
Als Risikofaktoren gelten neben einer ausgeprägten Adipositas (BMI >30 kg/m2) der insulinpflichtige Diabetes mellitus und eine erneute Sternotomie während desselben stationären Aufenthaltes. Auch die Verwendung von einer oder beiden Arteriae mammariae internae als Bypassgraft erhöht das Risiko, postoperativ eine Mediastinitis zu erleiden. Patientinnen, die wegen eines Mammakarzinoms bestrahlt worden sind, tragen ebenfalls ein höheres Risiko für diese Komplikation.
In Anlehnung an den vom National Infections Surveillance System des US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) entwickelten Risikoscore wird die postoperative Mediastinitisrate nach Risikoklassen adjustiert (Culver et al. 1991).
Bewertung
Die Gesamtrate der postoperativen Mediastinitis bewegte sich mit 1,28% im Rahmen der in der wissenschaftlichen Literatur publizierten Ergebnisse. Im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen wurde im Erfassungsjahr 2005 sowohl bei Patienten mit elektiver oder dringlicher Operationsindikation als auch bei Patienten ohne präoperative Risikofaktoren (CDC-Risikoklasse 0) eine Zunahme der dokumentierten Mediastinitisraten um etwa 0,5% beobachtet. Die Raten nähern sich damit den aus der Literatur bekannten Ergebnissen an. Die BQS-Fachgruppe geht daher eher von einer zunehmenden Datenvalidität als von einem sich abzeichnenden Problem in der medizinischen Versorgung aus.
Im Strukturierten Dialog 2005 auf der Basis der Daten des Erfassungsjahres 2004 sind drei Krankenhäuser kontaktiert worden, deren Ergebnisse außerhalb des von der BQS-Fachgruppe festgelegten Referenzbereichs lagen. Diese Krankenhäuser haben umfangreiche interne Analysen zu ihren Ergebnissen durchgeführt. Zwei dieser Krankenhäuser haben in nachvollziehbarer Form dargelegt, dass die Ergebnisse auf einer fehlerhaften Beurteilung des Schweregrades der postoperativen Wundinfektion beruhen. In diesen Krankenhäusern haben entsprechende Fortbildungen für das ärztliche Personal stattgefunden. Das dritte Krankenhaus hat die erhöhte Mediastinitisrate anhand von Einzelfallanalysen mit patientenbezogenen Risikofaktoren begründet, deren Schweregrad bei der Dokumentation nicht adäquat abgebildet worden war.
Alle drei Krankenhäuser wurden im Erfassungsjahr 2005 nicht erneut auffällig.