Qualitätsziel

Asymptomatische Stenose ohne kontralateralen Befund: Angemessen niedrige Rate an perioperativen Schlaganfällen oder Todesfällen
Hintergrund des Qualitätsindikators
Die Karotisthrombendarteriektomie ist eine prophylaktische Operation, die dem Schlaganfall vorbeugen soll. Das Risiko der Operation darf daher das Risiko bei natürlichem Verlauf nicht übersteigen. Bei Patienten mit asymptomatischer Karotisstenose von ≥60% (NASCET), bei denen nicht gleichzeitig eine kontralaterale Stenose ≥75% (NASCET) vorliegt, darf die Rate an perioperativen Schlaganfällen oder Todesfällen 3% nicht überschreiten, wenn der Patient von der Operation profitieren soll (Biller et al. 1998; MRC ACST Collaborative Group. 2004).
Bewertung
Im Jahr 2005 wurden 10.657 Patienten mit einer asymptomatischen Karotisstenose mit einem Stenosegrad ≥60% (NASCET) ohne kontralateralen Verschluss oder eine kontralaterale Stenose ≥75% (NASCET) operiert. 146 (1,37%) dieser Patienten haben einen Schlaganfall erlitten oder sind verstorben. Dies kann als Ausdruck einer guten Versorgungssituation gewertet werden. Die Gesamtrate des Jahres 2004 lag bei 1,74% und für das Jahr 2003 bei 2,02%. Somit ist eine Tendenz zu besseren Ergebnissen zu beobachten.
Der Referenzwert für dieses Patientenkollektiv wurde bei < 3% festgesetzt und stützt sich auf die Ergebnisse großer Multicenterstudien.
Die Spannweite der Krankenhausergebnisse der 170 Krankenhäuser mit mindestens 20 Fällen lag zwischen 0,0 und 8,3%. 34 Krankenhäuser lagen mit ihren Ergebnissen über dem Referenzbereich und müssen im Strukturierten Dialog um Stellungnahme gebeten werden. Für das Jahr 2004 lag die Spannweite zwischen 0,0 und 8,0%, für das Jahr 2003 zwischen 0,0 und 13,3%.
Im Strukturierten Dialog 2005 auf der Basis der Daten des Erfassungsjahres 2004 wurden zu diesem Qualitätsindikator bundesweit 22 Krankenhäuser mit auffälligen Ergebnissen um Stellungnahme gebeten, lediglich 3 von ihnen wurden als qualitativ auffällig eingestuft.
Ein Krankenhaus wies darauf hin, dass die auffällig hohe Rate an perioperativen Schlaganfällen dadurch begründet sein kann, dass in dieser Klinik alle Patienten postoperativ fachneurologisch untersucht werden (im Landesdurchschnitt: 44%). Die Diagnostik durch einen Neurologen führt möglicherweise dazu, dass auch Schlaganfälle erkannt werden, die durch den Operateur nicht diagnostiziert worden sind. Die BQS-Fachgruppe folgt dieser Argumentation und empfiehlt den Krankenhäusern dringend, eine fachneurologische Untersuchung bei allen Patienten mit Karotis-Rekonstruktion zu gewährleisten.
In der BQS-Fachgruppe wird diskutiert, zukünftig einen neuen Qualitätsindikator zur Prozessqualität einzusetzen, der die Durchführung einer prä- und postoperativen Untersuchung durch den Neurologen bei allen Patienten fordert.