Logo + Home
 
   BQS Online    BQS Outcome    BQS Qualitätsindikatoren Datenbank

Ausblick

Ab 1.1.2007 wird für die Qualitätsbewertung der Dekubitusprophylaxe ein Generalindikator zum Einsatz kommen. Eine Beurteilung des Erfolgs der Dekubitusprophylaxe lässt sich nicht umfassend durch die Betrachtung der Dekubitushäufigkeit bei bestimmten medizinischen Diagnosen oder Behandlungen abbilden. Für die Entstehung eines Dekubitus hat das individuelle Risikoprofil des Patienten einen hohen Stellenwert.

Daher hat die BQS-Fachgruppe Pflege einen „Generalindikator Dekubitusprophylaxe“ entwickelt, der unabhängig von Diagnosen und Prozeduren fachgebiets- und abteilungsübergreifend einsetzbar ist. Der Generalindikator berücksichtigt die wichtigsten Risikofaktoren, bei deren kumuliertem Vorliegen trotz fachgerechter Prophylaxemaßnahmen ein Dekubitus entstehen kann.

Erster Schritt der Indikatorenentwicklung war eine umfassende Literaturrecherche und -bewertung. Auf dieser Basis wurden von der BQS-Fachgruppe Pflege relevante Einflussfaktoren identifiziert, die einfach, verständlich und zuverlässig erfassbar sind. Der so entwickelte Datensatzentwurf wurde von November 2005 bis Ende Januar 2006 in 100 Krankenhäusern unter Praxisbedingungen getestet. In diesem Pilottest wurden insgesamt 69.005 Datensätze erfasst. Mit Hilfe dieser Daten wurde ein statistisches Modell entwickelt, mit dem das Risikoprofil eines Krankenhauses angemessen berücksichtigt werden kann (logistisches Regressionsmodell zur Risikoadjustierung). 1.700 Evaluationsbögen konnten ausgewertet werden, in denen die Praktiker aus den Krankenhäusern die Praxistauglichkeit der Abfragen bewertet haben. Damit konnte der Datensatz, der im Routinebetrieb zum Einsatz kommen wird, auf die wichtigsten und praxistauglichsten Einflussgrößen eingegrenzt werden. Bei diesen Einflussgrößen handelt es sich um Lebensalter, Immobilität, Diabetes mellitus und Behandlung auf der Intensivstation.

Die BQS-Fachgruppe Pflege verweist hinsichtlich der Bedeutung des Generalindikators darauf, dass der Indikator Dekubitusprophylaxe in hohem Maße „pflegesensibel“ ist und damit eine hohe Aussagekraft in Bezug auf die Pflegequalität hat.

Die Dokumentationspflicht für den Generalindikator Dekubitusprophylaxe wird im Erfassungsjahr 2007 für alle Patienten ab dem 75. Lebensjahr bestehen, die zwischen dem 01.01. und dem 31.03.2007 aufgenommen werden. Durch diese Vorgehensweise wird eine repräsentative Stichprobe von Patienten einer besonderen Risikogruppe erfasst, so dass die Zielsetzung eines Generalindikators erreicht wird, ohne dass eine Vollerfassung erforderlich wird.

Der Ergebnisindikator Dekubitusprophylaxe nimmt engen Bezug auf den evidenzbasierten Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), der von der Fachöffentlichkeit 2000 konsentiert und im Jahr 2004 auf der Grundlage einer aktuellen Literaturstudie in allen Aussagen bestätigt wurde. Auch aus den nachfolgenden Expertenstandards zum pflegerischen Entlassungsmanagement (DNQP 2002), pflegerischen Schmerzmanagement (DNQP 2004), zur Sturzprophylaxe (DNQP 2005) und zur Förderung der Harnkontinenz in der Pflege (DNQP 2006) lassen sich Indikatoren entwickeln, die die Ergebnisqualität eines Krankenhauses abbilden. Die BQS-Fachgruppe Pflege hält es für dringend erforderlich, innerhalb der nächsten Jahre weitere evidenzbasierte Generalindikatoren für die Pflege im Rahmen der externen vergleichenden Qualitätssicherung einzusetzen.