Qualitätsziel
Keine neu aufgetretenen Dekubitalulzera Grad 4 bei Patienten, die ohne Dekubitus aufgenommen wurden
Hintergrund des Qualitätsindikators
Ein Dekubitus Grad 4 ist eine äußerst schwer wiegende Komplikation. Wenn Patienten ohne Dekubitus aufgenommen werden und innerhalb der Krankenhausverweildauer einen derart hochgradigen Dekubitus erleiden, kann dies auf 2 Sachverhalte verweisen: mögliche Qualitätsdefizite im pflegerischen Leistungsgeschehen oder das individuelle Risikoprofil eines Patienten, das selbst bei einer fach- und sachgerechten Dekubitusprophylaxe unvermeidbar zur Entstehung eines hochgradigen Dekubitus führt. Um herauszufinden, ob gravierende Qualitätsprobleme vorliegen, wird die Entstehung eines hochgradigen Dekubitus (Grad 4) als „Sentinel-Event“ erfasst, bei dem in jedem Einzelfall eine Analyse erfolgen soll.
Bewertung
In 51 Krankenhäusern entwickelten insgesamt 68 Patienten, die ohne Dekubitus ins Krankenhaus kamen, während ihres Krankenhausaufenthaltes einen Dekubitus mit dem Grad 4. Auch wenn die Anzahl auf den ersten Blick gering erscheint, handelt es sich doch um einen gravierenden Befund. Da dieser Indikator erst 2005 neu eingeführt wurde, liegen noch keine Erfahrungen aus dem Strukturierten Dialog vor.
Zukünftig soll mit jedem auffälligen Krankenhaus im Rahmen des Strukturierten Dialogs eine patientenbezogene Einzelfallanalyse durchgeführt werden.
Im Rahmen dieser Einzelfallanalysen soll mit den Krankenhäusern überprüft werden, inwieweit eine sach- und fachgerechte Prophylaxe durchgeführt wurde. Dabei wird untersucht, ob ein besonderes Risikoprofil der betroffenen Patienten vorlag, so dass trotz fachgerechter Prophylaxe der Dekubitus nicht zu vermeiden war. Darüber hinaus soll analysiert werden, wohin der Patient entlassen wurde und welche Maßnahmen zur Weiterbehandlung eingeleitet worden sind.
Die Einschätzung der Dekubitusgrade kann unter Umständen bei der Abgrenzung zwischen dem Grad 3 und 4 schwierig sein. Aus diesem Grund diskutiert die BQS-Fachgruppe Pflege kritisch, zukünftig neu entstandene Dekubitalulzera bereits ab Grad 3 als Sentinel-Event zu erfassen. Erfahrungen aus dem Strukturierten Dialog in Hamburg zeigen, dass sich diese Vorgehensweise dort als sinnvoll erwiesen hat und mit vertretbarem Aufwand umgesetzt werden kann.