Qualitätsziel

Niedrige Krankenhaus-Letalität
Hintergrund des Qualitätsindikators
Die ambulant erworbene Pneumonie ist die häufigste durch Infektion bedingte Todesursache in Deutschland. Ca. 8% der Patienten versterben innerhalb eines Monats und weitere 5% innerhalb des folgenden halben Jahres (CAPNETZ 2005), wobei die Letalitätsrate mit dem Lebensalter und Vorliegen von Begleiterkrankungen korreliert (Kohlhammer et al. 2005). Nach Menéndez et al. (2004) geht eine unzureichende Pneumonie-Behandlung mit einer bis zu 11fach erhöhten Letalität einher.
Bewertung
Die vorliegenden Daten spiegeln erstmalig die Versorgungssituation der Gesamtpopulation der Patienten wider, die mit einer Pneumonie im Krankenhaus behandelt worden sind. Diese Daten sind auch im internationalen Vergleich einmalig.
Die Letalitätsraten der BQS-Bundesauswertung 2005 sind höher als die Daten in der Literatur:
Lim et al. (2003) beschreiben eine 30-Tage-Sterblichkeit von 9%, Ewig et al. (2004) geben eine Rate von 6,93% an. Diese Unterschiede lassen sich zum Teil dadurch erklären, dass die Studienpopulationen ein ausgesuchtes Patientenklientel erfassen und nicht wie die BQS-Bundesauswertung die Versorgungssituation einer Gesamtpopulation abbilden. Das mittlere Alter der Patienten liegt in den BQS-Daten mit 76 Jahren im Median deutlich über demjenigen der Patienten in den Studien (64 Jahre bei Lim et al. 2003, 67,8 Jahre bei Ewig et al. 2004). Patienten mit schweren Begleiterkrankungen und Patienten, bei denen von einem kurzfristigen Versterben ausgegangen werden konnte, wurden in der Regel aus diesen Studien ausgeschlossen (Lim et al. 2003, Ewig et al. 2004). Zudem wird in den Studien die 30-Tage-Letalität dargestellt und im BQS-Verfahren die Hospital-Letalität.
Darüber hinaus ist zu beachten, dass 22% der Patienten der BQS-Bundesauswertung 2005 aus stationären Pflegeeinrichtungen aufgenommen wurden, diese Patienten sind aus Studien teilweise ausgeschlossen worden.
Von den Patienten, die aus einer Pflegeeinrichtung aufgenommen wurden, verstarben 25% im Krankenhaus. Bei der Interpretation ist der soziokulturelle Aspekt zu beachten, dass in Deutschland – im Gegensatz zu anderen Ländern – viele Patienten aus Pflegeeinrichtungen unabhängig von der Schwere der Erkrankung und auch im präfinalen Stadium zur Behandlung der Pneumonie noch ins Krankenhaus eingewiesen werden.
Die Gesamtanzahl der Patienten in der BQS-Bundesauswertung 2005
übersteigt um ein Vielfaches die Anzahl der Patienten in den Studienpopulationen.
Aus den vorliegenden Daten kann nicht abgeleitet werden, ob die Patienten an der Pneumonie oder an Begleiterkrankungen verstorben sind. Auffällig sind die hohen Spannweiten. Die in Einzelfällen sehr hohen Letalitätsraten in den niedrigen Risikoklassen bedürfen einer Klärung im Strukturierten Dialog.
Eine weitergehende Darstellung der Sterblichkeitsraten in den unterschiedlichen Risikoklassen erfolgt im Kapitel “Risikoadjustierung bei der ambulant erworbenen Pneunomie”.