Prozessqualität: Wird es richtig gemacht?
Die Messung von Versorgungsprozessen ist geeignet für die Darstellung der Versorgungsqualität, wenn diese Prozesse eng mit der Ergebnisqualität verknüpft sind. Die zweite Indikator-Gruppe zielt daher auf Prozesse, die das mittel- oder langfristige Behandlungsergebnis relevant beeinflussen.
Beispiele für BQS-Qualitätsziele der Kategorie „A“:
- Von 179.000 Patienten, die aus häuslicher Umgebung mit einer ambulant erworbenen Lungenentzündung ins Krankenhaus aufgenommen wurden, erhielten 87,81% innerhalb von 8 Stunden eine Behandlung mit Antibiotika.
- In der Koronarchirurgie (Bypass-Chirurgie an den verengten Herzkranzgefässen) wurde eine Operationsart mit besonders günstigen Langzeitergebnissen häufiger als in den Vorjahren eingesetzt. Nach Interventionen im Strukturierten Dialog in 2004 und 2005 wurde die innere Brustwandarterie (IMA) jetzt bei 89,94% der 44.000 Patienten leitliniengerecht als Bypassgefäss genutzt. Die Spannweite der Krankenhausergebnisse wurde mit 63 bis 99% (2003: 0 bis 97%; 2004: 24 bis 97%) deutlich verringert.
Beispiele für BQS-Qualitätsziele der Kategorie „C“:
- In der Geburtshilfe erfolgte nur bei 70,94% (2004: 62,08%) von 6.721 Frühgeborenen eine Lungenreifebehandlung. Das Ergebnis liegt immer noch deutlich unterhalb des Referenzwertes von 95%. Trotz des erfreulichen Anstiegs ist die Versorgungssituation weiterhin qualitativ nicht ausreichend.
- Bei 16,68% der rund 51.000 Patienten mit einer Schenkelhalsfraktur erfolgte die Operation erst mehr als 48 Stunden nach der Krankenhausaufnahme. Angestrebt wurde ein Anteil von maximal 15%. Der Anteil der spät operierten Patienten schwankte in den Krankenhäusern von 0 bis 69%.
- Beim Mammakarzinom besteht eine Problemsituation für mehrere wichtige Versorgungsschritte. Nur in 65,01% der 21.000 Fälle, in denen der Tumor vor der Operation durch Mammographie markiert wurde, ist das Operationspräparat auch nach der Operation durch Röntgenuntersuchung kontrolliert worden; angestrebt werden mindestens 95%.
Nur in 83,19% der 42.000 Fälle, in denen ein Mammakarzinom operativ entfernt und einem Pathologen zur Untersuchung vorgelegt wurde, gab es eine Angabe zum Sicherheitsabstand – dem gesundem Gewebesaum am Rande des bösartigen Gewebes; in den einschlägigen Leitlinien wird diese Angabe in mindestens 95% gefordert.
- Auffällig waren Ergebnisse zu klinischen Basisuntersuchungen bei der ambulant erworbenen Pneumonie. Nur bei 67,33% der 186.000 Patienten, die mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, wurde eine Untersuchung des Sauerstoffgehalts im Blut innerhalb von 8 Stunden nach Aufnahme dokumentiert; gefordert wird eine solche Untersuchung in allen Fällen.
Nur für 44,45% der 140.000 Patienten wurde vor der regulären Entlassung aus dem Krankenhaus die wenig aufwändige Untersuchung von
7 einfachen Kriterien dokumentiert, die wichtige Rückschlüsse auf die Stabilität der Patienten erlauben; gefordert wird die Untersuchung aller Kriterien bei 100% der Patienten.
- Bei Operationen zur Gebärmutterentfernung erhielten nur 85,81% (2004: 82,02%) der 152.000 Patientinnen eine vorbeugende Gabe von Antibiotika zur Verhütung von Wundinfektionen. Die Spannweite der Krankenhausergebnisse reichte von 0 bis 100%. Die Versorgungssituation ist auffällig mit hohem Verbesserungspotential.