Prof. Dr. Michael-Jürgen Polonius
Ergebnisqualität kontinuierlich verbessern
Auch in Zeiten allerorts geführter gesundheitspolitischer Diskussionen und Reformanstrengungen der Bundespolitik widmet sich der Gemeinsame Bundesausschuss konsequent und zielstrebig seinen vielfältigen Aufgaben – so auch dem Verfahren der externen stationären Qualitätssicherung. Die Ergebnisqualität von Krankenhausbehandlungen sowie die Informationen und Orientierung für Patienten sollen kontinuierlich verbessert und ausgebaut werden.
Der vorliegende BQS-Qualitätsreport 2005 dokumentiert, welche Fortschritte auf dem Weg dorthin im Berichtszeitraum gemacht werden konnten: So wurde im Jahr 2005 ein Verfahren zur Datenvalidierung erfolgreich getestet und bereits 2006 eingeführt. Zudem konnte ein bundeseinheitlicher Rahmen geschaffen werden, in dem die Diskussion der Fachgruppen mit auffälligen Krankenhäusern im so genannten Strukturierten Dialog stattfindet. Wir haben uns im vergangenen Jahr verstärkt dafür eingesetzt, die Verfahren der einzelnen Bundesländer zum Strukturierten Dialog zusammenzuführen. Hierzu wurde eine Rahmenvereinbarung erarbeitet. Gleichzeitig wurde der Dialog intensiviert, um den besseren Umgang mit Fehlern und Maßnahmen im Sinne einer „Qualitätskultur“ zu verankern.
Erstmalig wurde zusätzlich zu den bisher ausschließlich chirurgischen Verfahren auch ein konservatives internistisches Verfahren bei der ambulant erworbenen Pneumonie in die externe stationäre Qualitätssicherung einbezogen.
Nach wie vor gilt, dass im BQS-Qualitätsreport veröffentlichte Daten nur im Zusammenhang mit Ergebnissen des Strukturierten Dialogs mit betroffenen Ärzten und Pflegenden Aussagekraft entfalten können und isoliert betrachtet für Patienten bei der Auswahl eines Krankenhauses keine Entscheidungshilfe darstellen. Es muss hinreichend geklärt werden, ob sich problematische Ergebnisse des BQS-Verfahrens wirklich als substantielle Qualitätsmängel erweisen oder hier lediglich statistische Auffälligkeiten vorliegen. Wir nähern uns in diesem sehr komplexen Feld mit kleinen Schritten langsam, aber stetig dem Ziel, aus den BQS-Daten richtige und brauchbare Informationen für Patienten zu generieren. Seit das Verfahren der externen stationären Qualitätssicherung in der Verantwortung des Gemeinsamen Bundesausschusses steht, wird daran vor allem auch mit Hilfe der im Ausschuss tätigen Patientenvertreter gearbeitet.
Für die künftige Arbeit ist die sektorenübergreifende Betrachtung weiterhin ganz zentral, insbesondere in den unfallchirurgischen und orthopädischen Fachbereichen sowie bei Transplantationen. Hier gibt es noch eine Reihe ungelöster Probleme, denen wir uns weiter widmen müssen, wie etwa Fragen des Datenschutzes und weiterer rechtlicher Grundlagen und Zuständigkeiten.
Für das Jahr 2007 erwarten wir wichtige Ergebnisse zum Thema Dekubitusprophylaxe. Unabhängig von Erkrankungen und Behandlungen wird hier die Versorgungsqualität in einem Haus erstmalig fachabteilungsübergreifend betrachtet. Dieser Generalindikator wurde Anfang 2006 in einer Pilotphase in 100 Krankenhäusern getestet. Von den Erfahrungen mit dem Generalindikator Dekubitusprophylaxe wird abhängen, ob weitere Generalindikatoren wie beispielsweise Schmerzerkennung und -therapie entwickelt werden müssen.
Siegburg, im Juli 2006
Prof. Dr. Michael-Jürgen Polonius
Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses nach § 91 Abs. 7 SGB V