Qualitätsziel
Grundsätzlich perioperative Antibiotikaprophylaxe
Hintergrund des Qualitätsindikators
Eine postoperative Infektion bei einem elektiven, aseptischen Standardeingriff wie der Implantation eines künstlichen Gelenkersatzes ist eine schwere Komplikation, die das Operationsergebnis erheblich beeinträchtigen kann. Lange Hospitalisationszeiten, Antibiotikatherapie und Reoperationen führen zu erheblichen Kosten (Palmer 2002).
Die Wirksamkeit der perioperativen Antibiotikaprophylaxe für die Vermeidung von Protheseninfekten in der Hüftendoprothetik (Evidenzgrad Ib nach SIGN) ist unbestritten und findet sich in den internationalen Leitlinien zur Endoprothetik ebenso wie in internationalen Leitlinien zur Antibiotikaprophylaxe (SIGN 2000, Mangram et al. 1999, Bernasconi & Francioli 2000, Stürmer 1999, ASHP therapeutic guidelines, Dellinger et al. 2004, Arbeitskreis Krankenhaushygiene der AWMF 2004). Die Implantation von Fremdmaterialien erhöht grundsätzlich das Risiko einer Wundinfektion (Gristina & Costerton 1984).
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Im Strukturierten Dialog 2006 zum Erfassungsjahr 2005 wurde von 49 Krankenhäusern, bei denen eine Stellungnahme angefordert wurde, in einem Fall eine qualitative Auffälligkeit festgestellt. Weitere 36 Krankenhäuser werden gezielt im Folgejahr beobachtet.
Die überwiegende Mehrzahl der Auffälligkeiten wurde mit Dokumentationsproblemen erklärt, also dass die Antibiotikaprophylaxe zwar verabreicht, aber z.B. wegen Softwareproblemen bei der Dateneingabe nicht korrekt dokumentiert wurde.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Die Gesamtrate der perioperativen Antibiotikaprophylaxe bei Hüft-TEP nähert sich dem 100%-Niveau (98,84%). Es handelt sich um einen in der Praxis anerkannten Standard, für den die Literatur eine hohe Evidenz liefert. Nur in wenigen Krankenhäusern gibt es Hinweise, dass dieser Standard nicht adäquat umgesetzt wird. Daher kann das Ergebnis als Ausdruck guter Versorgungsqualität gewertet werden.
Die Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator der letzten Jahre zeigen eine hohe Korrelation zwischen der Zunahme der Antibiotikaprophylaxe und der Abnahme der gemeldeten Wundinfektionen.
Trotz der erfreulich guten Ergebnisse über mehrere Jahre hinweg plädiert die BQS-Fachgruppe „Orthopädie und Unfallchirurgie“ dafür, diesen Prozessqualitätsindikator unter edukativen Gesichtspunkten auch in den nächsten Jahren fortzuführen.