Qualitätsziel
Selten postoperative Wundinfektionen (nach CDC-Kriterien)
Hintergrund des Qualitätsindikators
Die Infektion eines künstlichen Gelenkersatzes ist eine gefürchtete Komplikation, die das Operationsergebnis in Frage stellt, zu langen Hospitalisationszeiten führt, sowie Revisionseingriffe und lange Antibiotikatherapie notwendig werden lässt (Palmer 2002). Sculco errechnete schon 1993 für ein infiziertes endoprothetisch versorgtes Gelenk Kosten von ca. 55.000US$ gegenüber Kosten von 10.000US$ für die Primäroperation.
Perioperative Antibiotikaprophylaxe, aseptisches Operieren und diszipliniertes Verhalten im Operationssaal gehören zu den Standardvoraussetzungen einer Infektionsprophylaxe (Callaghan et al. 1995, SIGN 2000). Relevante Prozessparameter, wie der Zeitpunkt der perioperativen Antibiotikagabe, die Einhaltung der Hygienemaßnahmen und eine schonende Operationstechnik sind vom Operateur beeinflussbar und haben Auswirkung auf das Ergebnis des Qualitätsindikators. In einem Review kommen Block und Stubbs zu dem Schluss, dass antibiotikahaltiger Zement additiv zu anderen prophylaktischen Maßnahmen die Wundinfektionsrate bei Endoprotheseneingriffen senkt (Block & Stubbs 2005).
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Im Strukturierten Dialog 2006 zum Erfassungsjahr 2005 wurde die Kennzahl in zwölf Ländern für den Strukturierten Dialog verwendet. Dabei waren von 47 angeschriebenen Krankenhäusern nach Abschluss des Strukturierten Dialogs zwei Krankenhäuser qualitativ auffällig. Weitere 19 Krankenhäuser werden gezielt im Folgejahr beobachtet.
Über ein Drittel der Auffälligkeiten wurde mit Dokumentationsproblemen erklärt.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Auch für diese seltene Komplikation lag die Gesamtrate im Jahr 2006 niedriger als 2005 (0,82% vs. 1,00%). Im internationalen Vergleich ist diese Infektionsrate sehr niedrig. Allerdings ist die Aussagekraft wegen des kurzen stationären Beobachtungszeitraums eingeschränkt. Die Fachgruppe weist daher erneut auf die Notwendigkeit einer Langzeitbeobachtung hin.
Insgesamt kann von einer zufriedenstellenden Versorgungssituation ausgegangen werden; die hohe Spannweite erfordert aber weiterhin Analysen der Ergebnisse im Strukturierten Dialog.
Der Extremwert von 13,5% trat in einem Krankenhaus auf, bei dem in 5 von 37 Fällen eine Wundinfektion dokumentiert wurde.