Qualitätsziel
Geringe Letalität
Hintergrund des Qualitätsindikators
Der Hüftgelenkersatz stellt einen elektiven Eingriff dar, der auf eine Verbesserung der Lebensqualität von Patienten mit degenerativen Erkrankungen des Hüftgelenks abzielt. Es ist eine sehr geringe perioperative Letalität zu fordern. Indikationsstellung und Qualitätsbeobachtung stehen damit im besonderen Spannungsfeld der individuellen Risikoabschätzung. Die Fachgruppe Orthopädie und Unfallchirurgie fordert daher eine individuelle Nachverfolgung von Todesfällen nach elektivem Hüftgelenkersatz im Sinne eines Sentinel Event.
Um eine bessere Vergleichbarkeit der Krankenhausergebnisse zu ermöglichen, ist eine Stratifizierung nach Komorbiditäten möglich (AHRQ 2004, Khuri et al. 1999). Diese wird für den vorliegenden Indikator nach den ASA-Kriterien vorgenommen. Weitere Einflussfaktoren sind die operative Technik (unzementiert vs. zementiert, Zementiertechnik) und das eingesetzte Anästhesieverfahren. Es wird kontrovers diskutiert, ob die Letalität von der Fallzahl der Einrichtung abhängt (Parvizi et al. 2001, Sharrock et al. 1995, Khuri et al. 1999, Dimick et al. 2004, Sharkey et al. 2004, Judge et al. 2006).
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Im Strukturierten Dialog 2006 zum Erfassungsjahr 2005 wurde die Kennzahl in 13 Ländern für den Strukturierten Dialog verwendet. Dabei waren von 167 angeschriebenen Krankenhäusern nach Abschluss des Strukturierten Dialogs vier Krankenhäuser qualitativ auffällig. Weitere elf Krankenhäuser werden gezielt im Folgejahr beobachtet. Eine Landesgeschäftsstelle berichtete, dass sie auf eine Einzelfallanalyse verzichtete, da es nach Überzeugung der Landesfachgruppe je nach Risikoklasse auch zu nicht vermeidbaren einzelnen Todesfällen kommen kann und die Todesfälle in den großen Abteilungen mit entsprechendem Risikopatientenprofil auftraten. Diese Vorgehensweise entspricht nicht dem Prinzip des Sentinel-Event-Indikators, bei dem die Einzelfallanalysen gerade zur besonderen Sensibilisierung bei schwerwiegenden Komplikationen gefordert werden.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Im Jahr 2006 sind 317 Patienten (0,22%) nach Implantation eines künstlichen Hüftgelenks verstorben. Das Ergebnis liegt auf dem Niveau des Vorjahres (0,24%). Der Extremwert von 10,0% wurde in einem Krankenhaus beobachtet, in dem 2 von 20 operierten Patienten verstorben sind.
Die Fachgruppe weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass es zur selbstverständlichen Sorgfaltspflicht jedes Krankenhauses gehört, jeden Todesfall nach einem elektiven Gelenkeingriff in einer internen Morbiditätskonferenz zu analysieren. Diese Analysen sollten daher für den Strukturierten Dialog zur Verfügung stehen, so dass kein wesentlicher zusätzlicher Aufwand im Krankenhaus entsteht. Die Ergebnisse des Strukturierten Dialogs ermöglichen den Landesgeschäftsstellen mittelfristig Analysen, die dem Risikomanagement aller Krankenhäuser zugute kommen können.