Qualitätsziel
Kurze präoperative Verweildauer
Hintergrund des Qualitätsindikators
Eine verzögerte operative Behandlung kann nach einer immobilisierenden Verletzung wie der hüftgelenknahen Femurfraktur mit höheren Komplikationsraten, z.B. Thrombosen, Lungenembolien oder Dekubitalgeschwüren einhergehen. Bezüglich des Einflusses des Operationszeitpunkts auf die Sterblichkeit sind die Studienergebnisse jedoch widersprüchlich (z.B. Casaletto & Gatt 2004, Orosz et al. 2004, Moran et al. 2005, Weller et al. 2005, Majumdar et al. 2006, Petersen et al. 2006).
Gründe für eine Verzögerung können z.B. internistische Vorerkrankungen, der Zeitbedarf zum Einholen der Operationseinwilligung bei einem Vormund, aber auch Wartezeiten bei der Diagnostik oder fehlende Operationskapazitäten sein. In der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (Stürmer 1999) wird bei osteosynthetischer Versorgung eine „Sofortoperation“ empfohlen und bei endoprothetischer Versorgung eine „dringliche Frühversorgung“. Die Notwendigkeit der Sofortoperation ist u.a. abhängig von Lokalisation, Grad und Art der Dislokation des Bruches.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Im Strukturierten Dialog 2006 zum Erfassungsjahr 2005 wurden von 160 Krankenhäusern, die um eine Stellungnahme gebeten wurden, 24 Krankenhäuser als qualitativ auffällig eingestuft. 37 Krankenhäuser stehen im Folgejahr unter besonderer Beobachtung. Allerdings wurde der Qualitätsindikator in einigen Ländern anders berechnet, d.h. es wurde ein anderer Nenner (d.h. nicht alle Patienten) und ein anderer Zähler (d.h. nicht 48 Stunden) verwendet.
Aus den Kommentaren zum Strukturierten Dialog lässt sich ersehen, dass bei festgestellten Auffälligkeiten z.T. medizinische, aber auch strukturelle Gründe genannt werden (z.B. Organisation der Notfallversorgung am Wochenende).
Bewertung der Ergebnisse 2006
Eine verzögerte operative Behandlung einer Schenkelhalsfraktur kann – dies belegt die Literatur – mit höheren Komplikationsraten einhergehen, wie beispielsweise bei Thrombosen, Lungenembolien oder Dekubitalgeschwüren. Für osteosynthetische Versorgungen der Schenkelhalsfraktur nimmt mit zunehmender Wartezeit darüber hinaus die Gefahr der Hüftkopfnekrose zu.
Der Qualitätsindikator misst den Anteil der nach 48 Stunden operativ versorgten Patienten. Für Patienten mit Schenkelhalsfraktur gilt ein Referenzbereich von höchstens 15%. Die Rate der später als 48 Stunden versorgten Fälle lag mit 16,00% ähnlich hoch wie im Jahr 2005 (16,68%). Nahezu der Hälfte aller Krankenhäuser war die frühzeitige Versorgung ihrer Schenkelhalsfraktur-Patienten nicht ausreichend gelungen. Bedenklich ist die Spannweite von 0,0 bis 79,2%. Die Fachgruppe ist wie im Vorjahr der Überzeugung, dass mit dem (strengen) Referenzbereich und den Möglichkeiten des Strukturierten Dialogs weiterhin das Bewusstsein für die Problematik geschärft werden muss.
Aufgrund des kritischen Ergebnisses des Indikators besteht auch darüber hinaus besonderer Handlungsbedarf.
Die Fachgruppe hält es für erforderlich, gemeinsam mit der AWMF und den wissenschaftlichen Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie) auf eine rasche Aktualisierung bzw. Neuerstellung der Leitlinie zur Schenkelhalsfraktur hinzuwirken. Darüber hinaus sollte auf den Fachkongressen der genannten Fachgesellschaften die Versorgungssituation zu diesem Qualitätsindikator thematisiert werden.