Qualitätsziel
Angemessen niedrige Rate an perioperativen Schlaganfällen oder Todesfällen
Hintergrund des Qualitätsindikators
Große Multicenter-Studien (NASCET-, ECST-Studie 1998) haben gezeigt, dass eine operative Therapie einer Karotisstenose das Risiko, innerhalb der nächsten Jahre einen Schlaganfall zu erleiden oder zu versterben, erheblich senkt (Biller et al. 1998). Die Risikoadjustierung mittels der logistischen Regression bietet eine Möglichkeit der Berücksichtigung von patientenbezogenen Einflussfaktoren und ermöglicht somit einen fairen Vergleich zwischen den Krankenhäusern.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Um eine Stellungnahme wurden fünf rechnerisch auffällige Krankenhäuser gebeten. Zwei gaben besondere Einzelfälle als Begründung für das abweichende Ergebnis an. Nach Abschluss des Strukturierten Dialogs wurden zwei Krankenhäuser als qualitativ auffällig eingestuft, das Ergebnis eines Krankenhauses wird im Folgejahr besonders beobachtet.
Die Ergebnisse zu dieser Kennzahl wurden lediglich in vier Bundesländern für den Strukturierten Dialog herangezogen. Da bei diesem Qualitätsindikator alle durchgeführten Karotis-Rekonstruktionen berücksichtigt werden und Krankenhausergebnisse auf vergleichbarer Basis vorliegen, empfiehlt die Fachgruppe unbedingt eine intensivere Verwendung dieses Qualitätsindikators durch die Fachausschüsse der Länder.
Bewertung der Ergebnisse 2006
In Deutschland wurden 25.570 Karotis-Rekonstruktionen durchgeführt, 708 Patienten erlitten einen perioperativen Schlaganfall oder verstarben infolge dieses Eingriffs.
Das Risiko einen perioperativen Schlaganfall zu erleiden oder zu versterben hängt auch von patientenbezogenen Risikofaktoren ab. Ein von der BQS entwickeltes und anhand der Daten des Jahres 2006 aktualisiertes Risikoadjustierungsmodell berücksichtigt die als relevant und signifikant identifizierten Risikofaktoren:
- Alter
- Indikationsgruppe
- Präoperativer Schweregrad der Behinderung (Klassifikation nach Rankin)
- ASA-Klassifikation (American Society of Anaesthesiologists)
- Exulzerierende Plaques
- Kontralaterale Stenose ≥75% (NASCET)
Erwartete Wahrscheinlichkeiten (E) an perioperativen Schlaganfällen oder Tod lassen sich bei Anwendung dieses Modells für jedes Krankenhaus berechnen. Wird die beobachtete Rate (O) an perioperativen Schlaganfällen oder Todesfällen eines Krankenhauses ins Verhältnis zur erwarteten Rate (E) gesetzt, so erhält man eine Verhältniszahl, die einen Vergleich der Krankenhausergebnisse unter Berücksichtigung der patientenbezogenen Risikofaktoren ermöglicht.
Für das Jahr 2006 zeigte sich insgesamt eine gute Versorgungssituation. Für O/E war das Ergebnis 1,00. Ein Vergleich mit den Vorjahresergebnissen (2005: 1,05; 2004: 1,15; 2003: 1,26) bestätigt eine stetig steigende Versorgungsqualität im Verlauf der letzten vier Jahre.
Die Spannweite der Krankenhausergebnisse lag zwischen 0,0 und 5,7. Der höchste Wert 5,7 bedeutet, dass die beobachtete Rate 5,7-fach höher lag als erwartet. Für die betrachtete Grundgesamtheit steht kein evidenzbasierter Referenzwert zur Verfügung. Die Fachgruppe hat daher entschieden, dass mit Krankenhäusern, deren Ergebnis über der 95%-Perzentile (>3,1) liegt, eine Diskussion im Strukturierten Dialog erfolgen soll.