Qualitätsziel
Niedrige Letalität
Hintergrund des Qualitätsindikators
In den 1990er-Jahren nahm die Sterblichkeit nach Lebertransplantation aufgrund verbesserter chirurgischer Techniken und immunsuppressiver Strategien kontinuierlich ab. So lag nach Daten aus dem europäischen Transplantationsregister (ELTR) für den Beobachtungszeitraum 1988 bis 2003
(n = 21.605) die 3-Monats-Sterblichkeit 1988 bis 1991 noch bei 18% und sank im Zeitraum von 2000 bis 2003 auf 10% (Burroughs et al. 2006). Als Risikofaktoren für eine erhöhte Sterblichkeit nach Lebertransplantation gelten eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Transplantatempfänger und Organspender, ein akutes Leberversagen des Empfängers vor der Transplantation, Alter des Organspenders über 60 Jahre und das Alter des Empfängers (Burroughs et al. 2006).
Als verfahrensbedingter Einflussfaktor auf das Patientenüberleben gilt das richtige Timing des Transplantationszeitpunktes (Bramhall et al. 2001, Carithers 2000). Es werden Risikoadjustierungssysteme genutzt, um bei begrenztem Organangebot diejenigen Patienten zu identifizieren, die am ehesten von einer Transplantation profitieren. In den USA wird hierfür seit 2002 der so genannte MELD-Score eingesetzt (MELD = Model for End stage Liver Disease, Wiesner et al. 2003). Die Eurotransplant Foundation in Leiden, Niederlande, die auch für die Vermittlung von postmortalen Organspenden in Deutschland zuständig ist, verwendet dieses Modell ebenfalls seit dem 16. Dezember 2006.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Erfahrungen aus dem Strukturierten Dialog liegen noch nicht vor, da für den Leistungsbereich Lebertransplantation erstmalig im Jahr 2006 eine Dokumentationspflicht für die externe vergleichende Qualitätssicherung bestand.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Die Gesamtrate der Krankenhaussterblichkeit (In-Hospital-Letalität) nach Lebertransplantation lag im Erfassungsjahr 2006 bei 12,41%. Die Spannweite der Krankenhausergebnisse reichte von 0 bis 32,1%. Bei der Bewertung der großen Spannweite der Krankenhausergebnisse ist nach Auffassung der BQS-Fachgruppe zu berücksichtigen, dass die Raten nicht risikoadjustiert sind und somit unterschiedlich ausgeprägte patientenbezogene Risikofaktoren die Ergebnisse beeinflussen. Zum Vergleich können Daten aus internationalen Transplantationsregistern verwendet werden. Das Europäische Transplantationsregister (ELTR) berichtet über 1-Woche-Letalitätsraten von 7% und 1-Monats-Letalitätsraten von 17% im Zeitraum 01/1988 bis 12/2005 (www.eltr.org).
Die Gesamtrate der Krankenhausergebnisse lag im Vergleich zu Daten des ELTR im erwarteten Bereich. Das Ergebnis ist nach Auffassung der BQS-Fachgruppe Ausdruck einer guten Versorgungsqualität. Der Unterschied zu den wesentlich niedrigeren 1-Monats-Letalitätsraten aus dem US-amerikanischen Transplantationsregister UNOS, die im Zeitraum 07/2003 bis 12/2005 eine 1-Monats-Letalitätsrate von 4,13% berichten (Annual Report 2005), lässt sich nach Auffassung der BQS-Fachgruppe auf die fehlende Vergleichbarkeit mit europäischen Voraussetzungen bei Lebertransplantationen zurückführen. Beispielsweise existiert in den USA ein insgesamt größeres Organangebot. Die Spenderorgane kommen von durchschnittlich jüngeren Spendern, was einer höheren Organqualität entspricht. Auch sind die transplantierten Patienten teilweise in einem besseren Gesundheitszustand, da in den USA teiweise schon mit einem MELD-Score von unter 15 transplantiert wird. Drei Krankenhäuser dokumentierten eine In-Hospital-Letalitätsrate von über 20% der lebertransplantierten Patienten und liegen damit für diesen Indikator im auffälligen Bereich. Die Ursachen der auffälligen Ergebnisse werden im Strukturierten Dialog analysiert.