Qualitätsziel
Möglichst viele Patientinnen mit Angabe des Pathologen zum Sicherheitsabstand
Hintergrund des Qualitätsindikators
Der Sicherheitsabstand eines Mammakarzinoms zum Resektionsrand bei brusterhaltender
Therapie (BET) ist von prognostischer Relevanz im Hinblick auf Rezidivraten.
Dies gilt sowohl für invasive Karzinome als auch für das duktale In-situ-Karzinom
(DCIS). Bei der Mastektomie kann der Sicherheitsabstand Hinweise auf eine eventuell
erforderliche Strahlentherapie geben (Early Breast Cancer
Trialists’ Group
2005b; Kreienberg et al. 2004 & überarbeitete Fassung der Leitlinie
mit voraussichtlicher Publikation 2007).
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Von 845 Krankenhäusern in den 14 Bundesländern, in denen der Strukturierte Dialog zu diesem Qualitätsindikator geführt wurde, haben 305 bei BET und 385 bei Mastektomie abweichende Daten gemeldet.
Von diesen sind 289 bzw. 368 im Strukturierten Dialog um eine Stellungnahme gebeten
worden. Ursächlich wurden am häufigsten (176 bzw. 213) Fehler in der
Dokumentation eingeräumt. 27 bzw. 36 Krankenhäuser begründeten
die Abweichungen durch besondere, gut belegte Einzelfälle. 49 bzw. 70 Krankenhäuser
benannten Qualitätsmängel.
Nach Analyse der Stellungnahmen im Strukturierten Dialog wurden 53 Krankenhäuser
bezüglich BET und 64 Krankenhäuser bezüglich Mastektomie als
qualitativ auffällig eingestuft. Weitere 157 bzw. 182 Krankenhäuser stehen
derzeit unter besonderer Beobachtung.
Einzelne Fachgremien für die externe Qualitätssicherung auf Landesebene
gaben an, dass Pathologen den metrischen Sicherheitsabstand nach Mastektomie
nur dann mitteilen würden, wenn der Tumor nicht im Gesunden entfernt worden
sei. Die einfache Angabe „Resektatränder frei“ ist aber nicht
leitliniengerecht.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Die BQS-Fachgruppe bewertet die Ergebnisse für diesen Indikator als unzureichend: In 90,62% aller Fälle mit BET und in 85,84% der Fälle mit Mastektomie wurde ein metrischer Sicherheitsabstand dokumentiert. In
der nebenstehenden Abbildung werden die Ergebnisse zum Sicherheitsabstand bei
BET dargestellt. Die Ergebnisse zu diesem Indikator konnten in den vergangenen
Jahren kontinuierlich verbessert werden (BET: 2003: 72,57%, 2004: 76,23%, 2005:
83,69%; Mastektomie: 2003: 58,08%, 2004: 64,55%, 2005: 75,11%). Diese Entwicklung
kann auf einen konsequent fortgeführten Strukturierten Dialog, die Implementierung
der deutschen S3-Leitlinien in den Jahren 2003 und 2004 und auf die Diskussion
der auffälligen BQS-Daten auf verschiedenen Fachkongressen in den zurückliegenden
Jahren zurückgeführt werden. Da der Referenzbereich von mindestens
95% im Bundesdurchschnitt aber weiterhin nicht erreicht wird, ist festzustellen,
dass das Qualitätsziel nicht erreicht wurde. Die BQS-Fachgruppe Mammachirurgie
sieht hier besonderen Handlungsbedarf: Weitere Anstrengungen sind erforderlich,
um das angestrebte Qualitätsziel flächendeckend zu erreichen.
2007 wurde die Datenabfrage zur Erfassung des Sicherheitsabstandes weiterentwickelt,
in dem er im Falle von Nachresektionen abschließend unter Berücksichtigung
aller Einzelbefunde dokumentiert wird. Diese abschließende Bewertung
ist die klinische Grundlage für weitere Therapieentscheidungen.