Qualitätsziel
Möglichst viele Patientinnen mit angemessenem zeitlichen Abstand zwischen prätherapeutischer histologischer Diagnose und Operationsdatum bei Ersteingriff
Hintergrund des Qualitätsindikators
In der Phase zwischen Diagnose und Beginn der primären operativen Behandlung ist die psychische Belastung der von Brustkrebs betroffenen
Frauen besonders hoch. Diese werden mit einer fast immer als lebensbedrohlich
empfundenen Diagnose konfrontiert. Wartezeiten auf den Therapiebeginn verstärken
die psychische Beeinträchtigung. Allerdings ist Brustkrebs kein Notfall,
betroffenen Frauen ist ausreichend Zeit einzuräumen, um sich über Behandlungskonzepte
zu informieren und sich damit am Behandlungsprozess zu beteiligen. Andererseits
können zeitliche Verzögerungen sowohl durch Ärzte und Patientinnen als auch strukturell bedingt sein.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Von 315 Krankenhäusern aus den neun Bundesländern, in denen der Strukturierte Dialog zu diesem Qualitätsindikator geführt wurde, haben 20 Krankenhäuser im Erfassungsjahr 2005 nach Einschätzung der Arbeitsgruppen der Landesebene rechnerisch auffällige Ergebnisse. Davon sind 19 im Strukturierten Dialog um eine Stellungnahme
gebeten worden. 2005 haben 840 Krankenhäuser mindestens einen Fall in der
Grundgesamtheit dieses Indikators dokumentiert. Da der Referenzbereich für
diesen Qualitätsindikator über Perzentilen definiert ist, hätten
nach der Vorgabe der BQS-Fachgruppe 125 von diesen 840 Krankenhäusern auffällige
Daten liefern müssen. Demnach sind in weiten Teilen Deutschlands weichere
Kriterien für auffällige Qualität eingesetzt worden. In drei Bundesländern
wurde dieser Indikator im Strukturierten Dialog aus „methodischen Gründen“ oder
wegen „fehlender Evidenzlage“ ganz ignoriert.
Nach Analyse der Stellungnahmen im Strukturierten Dialog wurden zwei Krankenhäuser
als qualitativ auffällig eingestuft und erforderliche Maßnahmen
ergriffen. Acht Krankenhäuser unterliegen einer besonderen Beobachtung
in diesem Jahr.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Im Bundesdurchschnitt lag der Median für die Zeitspanne zwischen der Diagnose und dem Operationsdatum für Frauen ohne neoadjuvante Therapie bei 10,0 Tagen. Für einzelne Krankenhäuser mit mindestens 20 Fällen in der Grundgesamtheit schwankte der Median zwischen 2,5 und 39,0 Tagen.
Bei Fehlen eines evidenzbasierten Referenzbereiches hat die BQS-Fachgruppe den
Referenzbereich – basierend auf der 10- bis 95%-Perzentile – bei
minimal 6,0 bis maximal 18,0 Tagen festgesetzt.
Im Verlauf der vergangenen drei Jahre nahm die Zeitspanne kontinuierlich zu
(2003: 7,0 Tage, 2004: 8,0 Tage, 2005: 9,0 Tage). Diese Entwicklung liegt innerhalb
des Referenzbereiches, dennoch muss sie weiter verfolgt werden. Die BQS-Fachgruppe
bewertet die Ergebnisse für diesen Indikator als zufriedenstellend, das
Qualitätsziel wurde erreicht: Bei sehr großen oder sehr kleinen
Intervallen zwischen Datum der Diagnose und der Operation sollte ein Strukturierter
Dialog mit dem Krankenhaus eingeleitet werden.
Die BQS-Fachgruppe hält diesen Indikator entgegen der Meinung einzelner
Bundesländer für relevant, da strukturell bedingte zeitliche Verzögerungen
der Behandlung so erkannt und dargestellt werden können. Die Erfahrung
Betroffener zeigt auf der anderen Seite, dass sie Bedenkzeit benötigen,
um für sie auch langfristig folgenreiche Entscheidungen zu überdenken
und die Behandlung aktiv mitzugestalten.