Qualitätsziel
Möglichst selten behandlungsbedürftige Abstoßung
Hintergrund des Qualitätsindikators
Aufgrund von Gewebeunverträglichkeiten zwischen Organempfänger und
-spender kann es zu einer Abstoßung des transplantierten Organs kommen.
Die Mehrheit der akuten Abstoßungsepisoden findet im ersten Jahr nach
der Transplantation statt und betrifft etwa 15 bis 35% aller Transplantatempfänger
(Webster et al. 2006). Danach sinkt die Wahrscheinlichkeit, eine akute Abstoßung
zu erleiden (D’Alessandro et al. 1995). Die Anzahl der beobachteten Abstoßungsreaktionen
hängt auch davon ab, ob die Abstoßung über die feingewebliche
Untersuchung des Nierentransplantats oder die klinische Diagnose des behandelnden
Arztes definiert wird (Fleiner et al. 2006). Faktoren, die das Risiko für
eine behandlungsbedürftige Abstoßung erhöhen, sind Empfängeralter,
Sensibilisierung und CMV-Infektion (Pallardó-Mateu et al. 2004).
Die zuverlässige Einnahme der immunsuppressiven Medikamente durch den
Patienten (Compliance) spielt bei der Vermeidung von Abstoßungen eine
entscheidende Rolle. Dies ist jedoch insbesondere bei jugendlichen Patienten
nicht immer gewährleistet (Butler et al. 2004). Weitere Einflussgrößen
für eine erhöhte Abstoßungsrate sind die kalte Ischämiezeit
und die Art und Dosierung des immunsuppressiven Regimes (USRDS
Annual Report 2006; Merkus et al. 1991; Shoskes & Halloran 1996; Dantal
et al. 1998).
Die akute Abstoßung eignet sich als Indikator für die Frühfunktion
des Transplantats und für das Langzeitergebnis (Kwon
et al. 2005; Pallardó-Mateu
et al. 2004; First 2003, Gjertson 2001; Boratynska et al. 1996). Bei der Bewertung
der Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator ist zu berücksichtigen,
dass eine hoch dosierte immunsuppressive Behandlung und eine dadurch reduzierte
Anzahl von Abstoßungsreaktionen die Rate an Infektionen und anderer Komplikationen
nach Nierentransplantationen erhöhen kann. Daher ist die gemeinsame Betrachtung
dieser beiden Qualitätsindikatoren erforderlich, um mögliche Fehlsteuerungen
zu vermeiden.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Erfahrungen aus dem Strukturierten Dialog liegen noch nicht vor, da für den Leistungsbereich Nierentransplantation erstmalig im Jahr 2006 eine Dokumentationspflicht
für die externe vergleichende Qualitätssicherung bestand.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Die Gesamtrate der Patienten, die nach Nierentransplantation während des stationären Aufenthaltes behandlungsbedürftige Abstoßungen erlitten haben, lag im Erfassungsjahr 2006 bei 17,01%. Diese Gesamtrate
erscheint im Vergleich zu Angaben in der wissenschaftlichen Literatur zunächst
niedrig. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass lediglich alle behandlungsbedürftigen
Abstoßungen während des stationären Aufenthalts (im Median 21
Tage) berücksichtigt werden. Deshalb ist das Ergebnis nach Auffassung der
BQS-Fachgruppe Pankreas- und Nierentransplantation, Nierenlebendspende plausibel
und Ausdruck guter Versorgungsqualität.
Nur zwei Krankenhäuser dokumentierten bei mehr als 40% der Patienten
mindestens eine behandlungsbedürftige Abstoßung. Die Ursachen für
die auffälligen Raten werden im Strukturierten Dialog analysiert.
Drei Krankenhäuser haben keine behandlungsbedürftige Abstoßung
dokumentiert. Die BQS-Fachgruppe Pankreas- und Nierentransplantation, Nierenlebendspende
hält dieses Ergebnis für auffällig und wird diese Krankenhäuser
deshalb um Stellungnahme zur Daten- und Dokumentationsqualität bitten.