Qualitätsziel
Keine neu aufgetretenen Dekubitalulzera Grad 4 bei Patienten, die ohne Dekubitus aufgenommen wurden
Hintergrund des Qualitätsindikators
Ein Dekubitus Grad 4 ist eine äußerst schwerwiegende Komplikation. Wenn Patienten ohne Dekubitus aufgenommen werden
und innerhalb der Krankenhausverweildauer einen derart hochgradigen Dekubitus
erleiden, kann dies auf zwei Sachverhalte verweisen: mögliche Qualitätsdefizite
im pflegerischen Leistungsgeschehen oder das individuelle Risikoprofil eines
Patienten, das selbst bei einer fach- und sachgerechten Dekubitusprophylaxe unvermeidbar
zur Entstehung eines hochgradigen Dekubitus führt. Um herauszufinden, ob
gravierende Qualitätsprobleme vorliegen, wird die Entstehung eines hochgradigen
Dekubitus (Grad 4) als „Sentinel-Event“ erfasst, bei dem in jedem
Einzelfall eine Analyse erfolgen soll.
Bewertung der Ergebnisse 2006
In 47 Krankenhäusern entwickelten insgesamt 54 Patienten, die ohne Dekubitus aufgenommen wurden,
während ihres Krankenhausaufenthaltes einen Dekubitus mit dem Grad 4. Das
Auftreten dieser schweren Komplikation ist im Vergleich zu 2005 in der Unfallchirurgie
nicht, in den orthopädischen Leistungsbereichen leicht und in der Herzchirurgie
deutlich rückläufig. Auch wenn die absolute Anzahl insgesamt auf den
ersten Blick gering erscheint, ist eine Einzelfallanalyse erforderlich – um
schwere Qualitätsmängel ausschließen zu können. Zielsetzung
des Indikators ist es in erster Linie, den internen multiprofessionellen Dialog
in Krankenhäusern zu fördern und zu verbessern.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Dekubitusprophylaxe bei hüftgelenknaher Femurfraktur
Im Strukturierten Dialog 2006 „Dekubitusprophylaxe bei hüftgelenknaher Femurfraktur“ wurden auf der Basis der Daten des Erfassungsjahres 2005 17 auffällige Krankenhäuser identifiziert. 12 der 17 auffälligen Abteilungenwurden um Stellungnahmen gebeten. Vier Antworten zufolge handeltees sich um Dokumentationsprobleme. Möglicherweise wurden aber auch Einschätzungsprobleme (zwischen Grad 3 und Grad 4) als Dokumentationsprobleme deklariert. In fünf Stellungnahmen wurde auf besondere Einzelfälle verwiesen – die schwerwiegende Komplikation war hier nicht zu vermeiden. Eine Auffälligkeit wurde mit einer „nicht-signifikanten Abweichung“ begründet. Diese Begründung ist für einen Sentinel-Event-Indikator, der eine Einzelfallanalyse auslöst, unzureichend. Die Arbeitsgruppen in den Bundesländern akzeptierten die Stellungnahmen der Krankenhäuser – keine Abteilung zeigte qualitative Auffälligkeiten.
Dekubitusprophylaxe bei elektiver Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenk
Im Strukturierten Dialog 2006 „Dekubitusprophylaxe bei elektiver Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenk“ wurden auf der Basis der Daten des Erfassungsjahres 2005 in 16 Krankenhäusern Einzelfallanalysen durchgeführt. In vier Antworten werden Dokumentationsprobleme als Ursache angegeben. In elf Stellungnahmen wurde auf besondere, als unvermeidbar eingeschätzte Einzelfälle verwiesen. Die Arbeitsgruppen in den Bundesländern akzeptierten die Stellungnahmen der Krankenhäuser – keine Abteilung zeigte qualitative Auffälligkeiten.
Dekubitusprophylaxe in der Herzchirurgie
Im Rahmen des Strukturierten Dialog 2006 „Dekubitusprophylaxe in der
Herzchirurgie“ auf der Basis der Daten des Erfassungsjahres 2005 erfolgten
in 13 Krankenhäusern 24 patientenbezogene Einzelfallanalysen. In zwei
Krankenhäusern handelte es sich um ein Einschätzungsproblem: Grad
3 wurde fälschlicherweise als Grad 4 dokumentiert. Die anderen elf Krankenhäuser
erläuterten mittels Dokumentationen aus den Krankenakten nachvollziehbar
die patientenbezogenen Risikofaktoren. In den Krankenhäusern fanden Einzelfallanalysen
im Rahmen von Morbiditäts-/Komplikationskonferenzen statt. Die BQS-Fachgruppe
Herzchirurgie akzeptierte die dargelegten Epikrisen als Erklärung für
das Neuauftreten dieser schwerwiegenden Dekubitalulzera.