Qualitätsziel
Möglichst wenig Patienten, die ohne Dekubitus aufgenommen wurden, werden mit Dekubitus
entlassen
Hintergrund des Qualitätsindikators
Ein Dekubitus kann durch eine wirkungsvolle Prophylaxe verhindert werden. Damit lässt die Dekubitusinzidenz als Qualitätsindikator Aussagen zur Versorgungsqualität in einem für den Patienten sehr relevanten Bereich zu (ANA 1999, IQIP 2002, Verein Outcome 2005). Schätzungen zufolge entwickeln jedes Jahr weit über 400.000 Menschen in Deutschland einen Dekubitus (Robert Koch-Institut 2002). Der Schweregrad des Dekubitus wird nach einer Gradierungsskala eingeteilt. International gebräuchlich ist die Skala des NPUAP (National Pressure Ulcer Advisory Panel) von 1989, die auch in Deutschland eine weite Verbreitung gefunden hat.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Dekubitusprophylaxe bei hüftgelenknaher Femurfraktur
Im Strukturierten Dialog 2006 „Dekubitusprophylaxe bei hüftgelenknaher Femurfraktur“ wurden auf der Basis der Daten des Erfassungsjahres 2005 46 Abteilungen um eine Stellungnahme gebeten. 16 Antworten erklärten, dass diese Einzelfälle unvermeidbar gewesen waren, 16 Abteilungen verwiesen bei der Begründung der Auffälligkeiten auf Dokumentations- bzw. Organisationsprobleme. In vier Stellungnahmen wurden die Auffälligkeiten durch besondere Risikoprofile der behandelten Patienten erklärt. Als abschließend qualitativ auffällig wurden sieben Abteilungen bewertet.
Für eines der vier Länder, die die Kennzahl im Strukturierten Dialog nicht verwendet haben, wird die Nichtverwendung damit begründet, dass die Gesamtrate der Krankenhausergebnisse auf Landesebene innerhalb des Referenzbereiches liege. Die BQS-Fachgruppe Pflege sieht in dieser Aussage jedoch keine ausreichende Begründung, da im Strukturierten Dialog das Krankenhausergebnis und nicht der Landesdurchschnitt von Bedeutung ist.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Dekubitusprophylaxe bei elektiver Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenk
Der Strukturierte Dialog 2006 „Dekubitusprophylaxe bei elektiver Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenk“ wurde auf der Basis der Daten des Erfassungsjahres 2005 mit insgesamt 12 Abteilungen bei dieser Kennzahl geführt. Vier Antworten erklärten, dass diese Einzelfälle unvermeidbar gewesen waren, vier Abteilungen verwiesen bei der Begründung der Auffälligkeiten auf Dokumentations- bzw. Organisationsprobleme. Als qualitativ auffällig wurden von den Landesgeschäftsstellen zwei Abteilungen bewertet. Anzumerken ist, dass diese Kennzahl nur in 8 von 16 Bundesländern im Strukturierten Dialog verwendet wurde.
In Bezug zum Strukturierten Dialog bei indirekten Leistungsbereichen beklagt die BQS-Fachgruppe Pflege den geringen Stellenwert, den die Dekubitusprophylaxe in einigen Bundesländern zu haben scheint. Arbeitsfähige Strukturen für einen angemessenen „Strukturierten Dialog Pflege“ sollten auch im Hinblick auf den Generalindikator Dekubitusprophylaxe zeitnah in allen Bundesländern aufgebaut werden. Die BQS-Fachgruppe Pflege hat darüber beraten mit dem Ergebnis, dass die Landesgeschäftsstellen, die nicht über den Strukturierten Dialog in diesem Leistungsbereich berichteten, von der BQS-Fachgruppe Pflege mit einer Bitte um Begründung angeschrieben werden.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Dekubitusprophylaxe bei hüftgelenknaher Femurfraktur und elektiver Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenk
Die Raten neu entstandener Dekubitalulzera (Grad 1 bis 4) bei Patienten mit einer
hüftgelenknahen Femurfraktur oder einer elektiven Endoprothetik von Hüft-
und Kniegelenk hatten im Vergleich zu den beiden Vorjahren 2004 und 2005 eine
leicht sinkende Tendenz. Auffällig zeigte sich die Variabilität der
Krankenhausergebnisse. So betrug die Spannweite bei Krankenhäusern mit mindestens
20 Fällen in der Grundgesamtheit bei der hüftgelenknahen Femurfraktur
0,0 bis 32,4% und bei den elektiven Eingriffen 0,0 bis 17,9%. Unterschiede zwischen
den Krankenhäusern sind deutlich erkennbar. Daher sollten im Strukturierten
Dialog die Prozesse in den auffälligen Krankenhäusern untersucht und
mögliche Verbesserungsoptionen identifiziert werden. Zusätzlich ist eine vermehrte Thematisierung und Diskussion der
BQS-Daten auf Fachkongressen, wie dies bereits auf dem Deutschen Wundkongress
2007 stattfand, zu empfehlen.
Eine Bewertung der Gesamtraten ist wie in den Vorjahren dadurch eingeschränkt,
dass ein Vergleich mit Daten aus der internationalen Literatur nicht direkt
möglich ist, da in der wissenschaftlichen Literatur keine prozedurenbezogene
Erfassung der Dekubitusraten erfolgt. Diese Situation wird sich mit der Einführung
des risikoadjustierten Generalindikators ab dem Jahr 2007 ändern. Darüber
hinaus wird mit der Risikoadjustierung die fachliche Bewertung der Ergebnisse
fundierter möglich sein.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Dekubitusprophylaxe in der Herzchirurgie
Im Rahmen des Strukturierten Dialogs 2006 „Dekubitusprophylaxe in der Herzchirurgie“ auf der Basis der Daten des Erfassungsjahres 2005 wurden insgesamt drei Krankenhäuser, die auffällig niedrige Raten (0% Dekubitalulzera bei einer Fallzahl von mindestens 100)
dokumentiert hatten, um eine Stellungnahme gebeten. In allen drei Fällen
wurden Dokumentationsprobleme in Form von Übertragungsfehlern festgestellt – tatsächlich
waren in diesen Krankenhäusern höhere Neuentstehungsraten aufgetreten.
In den Strukturierten Dialog des Vorjahres wurden noch acht Krankenhäuser
aufgrund ihrer niedrigen Raten einbezogen. Der Rückgang dieser Auffälligkeiten
lässt sich als Erfolg des Strukturierten Dialogs werten, da Verbesserungspotenziale
identifiziert werden konnten und Maßnahmen bei Dokumentationsproblemen
eingeleitet wurden.
Mit sieben herzchirurgischen Krankenhäusern wurde für das Jahr 2005
ein Strukturierter Dialog geführt, da diese Krankenhäuser mit ihren
Ergebnissen oberhalb des Referenzbereichs von höchstens 5,1% lagen. In
vier dieser Krankenhäuser wurden als Ursache der Auffälligkeit Dokumentationsprobleme
angeführt. Die Dokumentationsprobleme waren dabei hauptsächlich auf Übertragungsfehler
aufgrund von Schnittstellenproblemen zwischen Einschätzenden und Dokumentierenden
zurückzuführen. Bei drei Abteilungen wurden für die erhöhte
Dekubitusinzidenz patientenbezogene Risikofaktoren verantwortlich gemacht.
Als weitere Auffälligkeiten wurden Unsicherheiten bei der Diagnose und
der Gradeinteilung angegeben. Keines der rechnerisch auffälligen Krankenhäuser
wurde nach dem Strukturierten Dialog 2006 von der Fachgruppe Herzchirurgie
als qualitativ auffällig eingestuft. Die Krankenhäuser gaben an,
konkrete Maßnahmen zur weiteren Struktur- und Prozessoptimierung eingeleitet
zu haben. Insgesamt wurden von 15 Krankenhäusern folgende Schritte genannt:
- Veränderte Dokumentationsabläufe
- Schulungen zur Dekubitusprophylaxe
- Gründung multidisziplinärer Projektgruppen
- Einrichtung eines Wundmanagements
Während beim Strukturierten Dialog des Erfassungsjahres 2004 bei einigen
auffälligen Krankenhäusern als qualitative Auffälligkeit festgestellt
wurde, dass der Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ nicht
oder nicht adäquat eingeführt war, ist nach dem Strukturierten Dialog
des Erfassungsjahres 2005 festzustellen, dass bei allen auffälligen Krankenhäusern
der Expertenstandard eingeführt und wiederholt diesbezügliche Schulungen
durchgeführt wurden.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Dekubitusprophylaxe in der Herzchirurgie
Die Inzidenz der Dekubitalulzera mit den Graden 1 bis 4 bei Patienten mit einem herzchirurgischen Eingriff betrug 2,26%. Damit sind die Gesamtraten im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Die Qualitätsunterschiede zwischen den Krankenhäusern traten mit einer kleineren Spannweite bei den herzchirurgischen Krankenhäusern deutlich weniger zu Tage als in den anderen Leistungsbereichen. Die Spannweite der Krankenhausergebnisse betrug bei 78 Krankenhäusern mit mindestens 20 Fällen in der Grundgesamtheit 0,0 bis 7,7%. Der Anstieg der Rate von 1,82% im Jahr 2004 auf 2,27% im Jahr 2005 wurde im Vorjahr von der BQS-Fachgruppe Pflege mit einer Verbesserung der Dokumentationsqualität assoziiert. Die Fachgruppe geht unter Berücksichtigung der Ergebnisse des Strukturierten Dialogs der Vorjahre und der konstanten Gesamtrate davon aus, dass sich die Dokumentationsqualität in der Herzchirurgie verbessert hat.