Qualitätsziel
Niedrige Krankenhaus-Letalität
Hintergrund des Qualitätsindikators
Die ambulant erworbene Pneumonie ist die häufigste durch Infektion bedingte Todesursache in Deutschland. Ca. 10% aller ambulant und stationär behandelten Patienten versterben im Akutstadium und insgesamt mehr als 15% innerhalb des folgenden halben Jahres nach Diagnosestellung (CAPNETZ 2006), wobei die Letalitätsrate mit dem Lebensalter und Vorliegen von definierten Risikofaktoren korreliert (Kohlhammer et al. 2005). Nach Menéndez et al. (2004) geht eine unzureichende Pneumonie-Behandlung mit einer bis zu 11-fach erhöhten Letalität einher.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Im Strukturierten Dialog 2006 wurden zu dieser Kennzahl 14 auffällige Krankenhäuser zur Stellungnahme zu Ergebnissen aufgefordert.
In einem Fall wurden Dokumentationsprobleme als Ursache der Auffälligkeit genannt und in drei Begründungen wurde die besondere klinische Situation bzw. die Behandlung von Patienten mit besonderen Risikofaktoren angeführt. Keine Abteilung wurde als qualitativ auffällig betrachtet.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Die Krankenhaus-Letalitätsraten sind im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Dies betrifft sowohl die hier dargestellte nicht risikoadjustierte Gesamtrate wie auch die Sterblichkeitsraten in den einzelnen Risikoklassen. Bei der Gesamtrate ist ein Anstieg um 0,72 Prozentpunkte zu verzeichnen, in den Risikoklassen 2 und 3 sogar um 2,47 bzw. 2,18 Prozentpunkte.
Diese Letalitätsraten beziehen sich auf alle Patienten, die mit einer Pneumonie im Krankenhaus aufgenommen wurden. In wissenschaftlichen Studien werden viele dieser Patienten ausgeschlossen. Ausschlusskriterien sind z.B. der „erwartete tödliche Ausgang“, schwere Begleiterkrankungen, Aufnahme aus stationären Pflegeeinrichtungen. Daher ist es nachvollziehbar, dass die Letalitätsraten in diesen Untersuchungen niedriger liegen als die Ergebnisse der BQS-Bundesauswertung. Das durchschnittliche Alter der bei der BQS erfassten Patienten liegt mit 72,3 Jahren deutlich über dem Durchschnittsalter in den Studien (z.B. 64 Jahre bei Lim et al. 2003; 67,8 Jahre bei Ewig et al. 2004). Auch dies erklärt die vergleichsweise hohen Raten der BQS-Auswertung, die im Gegensatz zu den Studien ein Abbild der realen Gesamtversorgung liefert. Es kann derzeit nur spekuliert werden, wie der geringe Anstieg der Letalitätsraten zu erklären ist.
Es liegen derzeit keine Informationen vor, wie häufig ein bewusster Verzicht auf die antimikrobielle Therapie bei Patienten mit einer Pneumonie im terminalen Stadium einer schweren Erkrankung erfolgt ist. Für die Interpretation der Ergebnisse spielt diese Information eine wichtige Rolle. Daher plant die BQS-Fachgruppe die Einführung eines neuen Datenfeldes ab dem Jahr 2008. Mit diesem Datenfeld soll der in der Patientenakte schriftlich dokumentierte Verzicht auf eine antimikrobielle Therapie im Einverständnis mit dem Patienten, Betreuer oder Bevollmächtigten abgefragt werden. Diese Fälle palliativer Behandlung können dann für die Bewertung der Krankenhaus-Letalität berücksichtigt werden.
Des Weiteren ist geplant, anhand der Daten 2005 und 2006 zu prüfen, ob ein logistisches Regressionsmodell für die Risikoadjustierung dieses Qualitätsindikators entwickelt werden kann. Dieses Modell könnte beispielsweise den Einflussfaktor „Alter“ noch spezifischer für die Adjustierung berücksichtigen, da sich gezeigt hat, dass die Sterblichkeit mit dem Alter kontinuierlich ansteigt.