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Qualitätsziel

E-E-Zeit bei Notfallkaiserschnitt

Selten Entschluss-Entwicklungs-Zeit (E-E-Zeit) von mehr als 20 Minuten beim Notfallkaiserschnitt

Hintergrund des Qualitätsindikators

Ein Notfallkaiserschnitt ist eine Schnittentbindung, die im Rahmen einer mütterlichen oder kindlichen Notlage vorgenommen wird. Es ist erforderlich, diese Notlage so schnell wie möglich zu beenden, da mit längerem Andauern die Gefahr für bleibende Schäden steigt. Die E-E-Zeit bezeichnet die Spanne vom Entschluss zum Notfallkaiserschnitt bis zur Geburt des Kindes. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Prognose des Kindes bei kurzer E-E-Zeit verbessert (Leung et al. 1993, Korhonen & Kariniemi 1994) und die Gefährdung der Mutter trotz kurzer Vorbereitungszeit nicht steigt (Hillemanns et al. 2003). Hohe Raten einer E-E-Zeit über 20 Minuten weisen auf relevante Organisationsprobleme hin.

Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2006

Im Strukturierten Dialog für das Erhebungsjahr 2006 wurden 70 Krankenhäuser um eine Stellungnahme gebeten. Die Mehrzahl gaben Dokumentationsprobleme als Ursache der Auffälligkeiten an. In sechs Fällen wurden qualitative Auffälligkeiten festgestellt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

Die BQS-Fachgruppe weist darauf hin, dass die Dokumentation einen wesentlichen Bestandteil der medizinischen Tätigkeit darstellt und diese Begründung daher keinesfalls mehrfach akzeptiert werden kann. Die BQS-Fachgruppe hält des Weiteren die von einigen Krankenhäusern im Strukturierten Dialog zur Begründung herangezogene Definition von „dringlicher Kaiserschnitt“ (versus „Notfallkaiserschnitt“) im Einzelfall für überprüfenswert.

Bewertung der Ergebnisse 2007

Nach den von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe formulierten Voraussetzungen zum Führen einer geburtshilflichen Abteilung gehört die Einhaltung der 20-Minuten-Grenze bei der E-E-Zeit zu den grundlegenden Voraussetzungen der Organisation einer geburtshilflichen Abteilung (DGGG 1992, DGGG 1995).

Die Rate der Geburten mit Überschreitung der 20-Minuten-Grenze für die E-E-Zeit bei Notfallkaiserschnitt ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gesunken. Dennoch wurde die Grenze von 20 Minuten bei 207 Geburten in 140 Krankenhäusern nicht eingehalten. Acht Krankenhäuser haben bei keinem Notfallkaiserschnitt die 20-Minuten-Grenze eingehalten. Die BQS-Fachgruppe bewertet die Überschreitung dieser 20-Minuten-Grenze als kritisches Indikatorereignis und hält eine intensive Analyse jedes Einzelfalles im Strukturierten Dialog für erforderlich.

Die BQS-Fachgruppe sieht bei diesem Indikator trotz der festgestellten Verbesserung auch in diesem Jahr eine kritische Versorgungssituation und weiterhin Handlungsbedarf. Aus ihrer Sicht ist bei Krankenhäusern, die wiederholt auffällig sind, sowie bei Kliniken, die in keinem Fall die Grenze von 20 Minuten für die E-E-Zeit bei Notfallkaiserschnitt eingehalten haben, unbedingt kritisch zu prüfen, ob eine Entanonymisierung gegenüber den Lenkungsgremien erforderlich ist. Des Weiteren empfiehlt die BQS-Fachgruppe eine Stichprobenprüfung im Datenvalidierungsverfahren, um Dokumentationsprobleme in den Kliniken objektivieren zu können.

Neben der Abklärung der Auffälligkeiten im Strukturierten Dialog sollte auch eine vertiefte Diskussion auf wissenschaftlichen Fachkongressen zu diesem Thema angeregt werden.