Qualitätsziel
Selten operative oder allgemeine Komplikationen bei der Leberlebendspende
Hintergrund des Qualitätsindikators
Bei diesem Qualitätsindikator werden verschiedene perioperative Komplikationen zusammengefasst. In wissenschaftlichen Publikationen wird die Komplikationsrate nach Teil-Leberlebendspende mit 10 bis 25% angegeben (Marcos 2000, Tanaka & Kiuchi 2002, Testa et al. 2000). Die perioperative Morbidität ist bei der Lebendspende für Erwachsene aufgrund des erforderlichen größeren Resektionsvolumens gegenüber der Lebendspende für Kinder erhöht. Unter den operativ-technischen Komplikationen stellen Gallenwegskomplikationen mit 5 bis 10% einen wesentlichen Anteil dar (Settmacher & Neuhaus 2003).
Die tiefe Bein- und Beckenvenenthrombose sowie die Lungenembolie gehören zu den gefürchteten allgemeinen Komplikationen in der perioperativen Phase der Leberlebendspende. Die Entscheidung über die Durchführung einer Lebendorganspende bei Personen mit einer Erhöhung des Thromboserisikos sollte daher unter individueller Abwägung des Spender- und Empfängerrisikos erfolgen. Vermeidbare Risikofaktoren wie Tabakkonsum oder die Einnahme von Kontrazeptiva sollten möglichst nicht akzeptiert werden (Bröring & Rogiers 2004). Auch die Erfahrung des behandelnden Teams wirkt sich auf die operative Morbidität der Teil-Leberlebendspende aus (Bröring & Rogiers 2004, Grewal et al. 1998, Settmacher & Neuhaus 2003).
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2006
Auf der Basis der Ergebnisse der Bundesauswertung 2006 wurden vier Krankenhäuser zu einer Stellungnahme aufgefordert. Nach intensivem Dialog zwischen der BQS-Fachgruppe und den Transplantationszentren wurden alle vier Krankenhäuser als qualitativ unauffällig eingestuft. Eine Kontrolle der Ergebnisse dieser Krankenhäuser wird auf Basis der Daten des Erfassungsjahres 2007 erfolgen.
Bewertung der Ergebnisse 2007
Der Anteil von Leberlebendspendern, die mindestens eine eingriffsspezifische oder allgemeine behandlungsbedürftige Komplikation erlitten haben, betrug im Erfassungsjahr 2007 17,2%. Die Gesamtrate lag damit sowohl über dem von der BQS-Fachgruppe festgelegten Referenzbereich als auch über dem Vorjahreswert.
Bei der Bewertung muss nach Auffassung der BQS-Fachgruppe berücksichtigt werden, dass die Definitionen für postoperative Komplikationen nicht einheitlich verwendet werden. Hinter diesem Begriff können sich Komplikationen ganz unterschiedlichen Schweregrades verbergen, die nicht in jedem Fall für den Lebendspender relevant sein müssen.
Insgesamt wurden bei zehn Patienten 13 Komplikationen dokumentiert. Bei den eingriffsspezifischen Komplikationen handelte es sich bei drei Spendern um eine „sekundäre Wundheilung“, bei zwei Spendern um eine „Gallenwegskomplikation“, bei einem Spender um eine „Blutung“ und bei drei Spendern um eine „sonstige“ Komplikation. Bei jeweils einem Spender wurden eine Thrombose, eine Lungenembolie, eine Pneumonie sowie eine sonstige allgemeine Komplikation dokumentiert.
Die Spannweite der Krankenhausergebnisse betrug 0,0 bis 50,0%. Insgesamt dokumentierten sechs Krankenhäuser bei mehr als 5% der Leberlebendspender eine Komplikation. Die Ursachen werden im Strukturierten Dialog analysiert.