Qualitätsziel
Möglichst wenige Patientinnen mit Axilladissektion bei DCIS
Hintergrund des Qualitätsindikators
Bei ausschließlichem duktalem In-situ-Karzinom (DCIS) ist eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (SLNB) oder Axilladissektion nicht indiziert, da eine axilläre Metastasierung ausgeschlossen ist. Bei ausgedehnten DCIS-Befunden kann eine Mikroinvasion vorliegen, die eine Sentinel-Lymphknoten-Biopsie rechtfertigt (Kreienberg et al. 2008). Nur bei axillären Lymphknoten-Metastasen in der SLNB ist dann eine axilläre Dissektion erforderlich.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2006
Im Rahmen des Strukturierten Dialoges wurden 91 Krankenhäuser mit auffälligen Ergebnissen zu Stellungnahmen aufgefordert. 25 Krankenhäuser haben Fehler in der Dokumentation angeführt. 23 Krankenhäuser begründeten die abweichenden Verhältnisse als unvermeidbare Einzelfälle. 40 Krankenhäuser räumten „keine Gründe, sonstige Gründe oder Mängel“ ein. Drei Krankenhäuser begründeten die Abweichung mit einem besonderen Risikoprofil.
Sechs Krankenhäuser wurden in den Arbeitsgruppen auf Landesebene auf Basis der Stellungnahmen als qualitativ auffällig bewertet. Weitere 35 Krankenhäuser stehen derzeit unter besonderer Beobachtung.
Bewertung der Ergebnisse 2007
Für diese Kennzahl hat die BQS-Fachgruppe erstmalig einen fixen Referenzbereich festgelegt. Die aktualisierte S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (Kreienberg et al. 2008) empfiehlt bei DCIS nur in Ausnahmefällen ein axilläres Staging, dann bevorzugt durch SLNB. Bei sorgfältiger Aufarbeitung des Präparates durch die Pathologen ist bei maximal 2 bis 3% aller DCIS-Tumoren (bei denen dann eine histologisch nicht entdeckte Invasion vorliegt) mit axillären Lymphknoten-Metastasen zu rechnen (Leonard & Swain 2004). Bei diesen Patientinnen mit Lymphknoten-Metastasen in der SLNB ist dann eine axilläre Dissektion erforderlich, so dass der Referenzbereich diese berücksichtigen muss. Aus diesen Überlegungen folgt, dass axilläre Dissektionen in mehr als 5% der DCIS-Patientinnen als auffällige Qualität zu werten sind.
Bei 10,2% aller Patientinnen mit DCIS wurde die Axilla disseziert. SLNB sind
bei der Berechnung dieses Indikators nicht berücksichtigt. Die Spannweite
zwischen den 91 Krankenhäusern mit mindestens 20 dokumentierten DCISFällen
im Verfahrensjahr 2007 ist auffallend hoch mit 0,0 bis 81,0%. Nur
42 Krankenhäuser erreichen den Referenzbereich.
Die BQS-Fachgruppe sieht für diesen Indikator besonderen Handlungsbedarf.
Die Ergebnisse der BQS-Bundesauswertung 2007 erfordern eine konsequente
Fortführung des Strukturierten Dialogs und eine flächendeckende
Implementierung der nationalen S3-Leitlinie (Kreienberg et al. 2008).
Darüber hinaus sollte auf Fachkongressen und Jahrestagungen die
Versorgungssituation zu diesem Qualitätsindikator thematisiert werden.
Eine Strategie zur flächendeckenden Sicherstellung einer strengen
Indikation für die Axilladissektion bei DCIS sollte gemeinsam mit den
Fachgesellschaften erarbeitet werden.