Qualitätsziel
Selten erhebliche Einschränkung der Nierenfunktion beim Nierenlebendspender
Hintergrund des Qualitätsindikators
Die Berechnung der Nierenfunktion anhand der Kreatinin-Clearance wird zur Verlaufskontrolle nach Entfernung einer Niere und zur Erkennung einer Niereninsuffizienz verwendet.
In der unmittelbaren postoperativen Phase nach Nierenlebendspende erhöht sich vorübergehend im Rahmen von Anpassungsvorgängen der zur Abschätzung der Nierenfunktion herangezogene Kreatininwert. Dieser normalisiert sich jedoch im weiteren Verlauf wieder. Bei der Beurteilung der Krankenhausergebnisse zu diesem Qualitätsindikator ist deshalb zu berücksichtigen, dass eine unterschiedliche postoperative Verweildauer der Patienten das Ergebnis beeinflussen kann.
Nach der Lebendspende nimmt die Kreatinin-Clearance gering um etwa 17,1ml/min ab (Kasiske et al. 1995). Eine messbare Verschlechterung der Nierenfunktion im langfristigen Verlauf ist dagegen selten. Nach im Mittel elf Jahren findet sich ein Abfall der glomerulären Filtrationsrate um etwa 23%, dem keine gesundheitliche Bedeutung zukommt und der keine besondere Einschränkung der Lebensweise des Spenders erfordert (Gossmann et al. 2006).
Das Risiko einer erheblichen Einschränkung der Nierenfunktion des Nierenlebendspenders scheint gegenüber der Normalbevölkerung nicht erhöht zu sein (Fehrman-Ekholm et al. 2001, Hartman et al. 2003, Thiel et al. 2005). Allerdings kommt der sorgfältigen Evaluation des potenziellen Nierenlebendspenders entscheidende Bedeutung zu, da Personen mit bestimmten Begleiterkrankungen nach der Entfernung einer Niere ein höheres Risiko tragen, einen Nierenfunktionsverlust zu erleiden.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2006
Auf der Basis der Ergebnisse der Bundesauswertung 2006 wurden sieben Krankenhäuser zu einer Stellungnahme aufgefordert. Nach intensivem Dialog zwischen der BQS-Fachgruppe und den Transplantationszentren wurden sechs Krankenhäuser als qualitativ unauffällig eingestuft. Ein Krankenhaus mit qualitativ auffälligen Ergebnissen hat bereits Verbesserungen eingeleitet. Eine Kontrolle der Ergebnisse dieser Krankenhäuser wird auf Basis der Daten des Erfassungsjahres 2007 erfolgen.
Bewertung der Ergebnisse 2007
Der Anteil von Nierenlebendspendern, die eine erheblich eingeschränkte Nierenfunktion nach Nierenlebendspende bei Entlassung aufwiesen, lag im Erfassungsjahr 2007 bei 3,8%.
18 Krankenhäuser haben bei mindestens einem Nierenlebendspender eine kritische Einschränkung der Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance von weniger als 40ml/min) bei Entlassung dokumentiert.
Bei der Interpretation des Ergebnisses ist zu berücksichtigen, dass die durchschnittliche postoperative Verweildauer mit sieben Tagen (Median) sehr kurz ist. Die Nierenfunktion des Lebendspenders kann sich im Verlauf von Wochen und Monaten nach der Nierenlebendspende wieder normalisieren.
Da es sich bei der Nierenlebendspende um einen operativen Eingriff an Gesunden handelt, wird die BQS-Fachgruppe jede kritische Einschränkung der Nierenfunktion eines Nierenlebendspenders im Strukturierten Dialog mit den Krankenhäusern analysieren.