Qualitätsziel
Selten operative oder allgemeine postoperative Komplikationen nach Nierenlebendspende
Hintergrund des Qualitätsindikators
Die Angaben aus der Literatur zu postoperativen Komplikationen nach Nierenlebendspende sind schwierig zu vergleichen, da die Definitionen für postoperative Komplikationen in diesen Publikationen nicht einheitlich verwendet werden. Nach Einschätzungen der britischen „UK Guideline for Living Donor Kidney Transplantation“ liegt die perioperative Komplikationsrate bei der Nierenlebendspende bei ca. 4,4% (The Renal Association 2000). Von diesen Komplikationen werden 1,8% als ernst und 0,2% als potenziell lebensbedrohlich eingestuft.
Eine Auswertung des norwegischen nationalen Spenderregisters (Westlie et al. 2003, n = 387) berichtet von einer Rate von 2,1% ernster Komplikationen. Folgende Komplikationen werden in der Studie genannt: Pneumothorax (8,8%), Harnwegsinfekte (6,7%), oberflächliche Peritonealverletzungen (6,4%), oberflächliche Wundinfektionen (4,4%), Pneumonien (3,9%), tiefe Wundinfektionen (1,6%), Reoperationen (2,1%), Lungenembolien (0,5%), Bluttransfusionen (0,3%). Die Autoren stufen folgende Komplikationen als ernste Komplikationen ein: Blutungen über 300ml (1,3%), anaphylaktische Reaktionen (0,5%), Bradykardien (0,2%).
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2006
Auf der Basis der Ergebnisse der Bundesauswertung 2006 wurden vier Krankenhäuser zu einer Stellungnahme aufgefordert. Nach intensivem Dialog zwischen der BQS-Fachgruppe und den Transplantationszentren wurden drei Krankenhäuser als qualitativ unauffällig eingestuft. Ein Krankenhaus mit qualitativ auffälligen Ergebnissen hat bereits konkrete Verbesserungen in Aussicht gestellt. Eine Kontrolle der Ergebnisse dieser Krankenhäuser wird auf Basis der Daten des Erfassungsjahres 2007 erfolgen.
Bewertung der Ergebnisse 2007
Die Gesamtrate der postoperativen Komplikationen nach Nierenlebendspende lag im Erfassungsjahr 2007 bei 7,1%. Die Spannweite der Krankenhausergebnisse reichte von 0,0 bis 45,5%.
Die Bewertung der Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator wird dadurch erschwert, dass die Definitionen für postoperative Komplikationen in wissenschaftlichen Publikationen nicht einheitlich verwendet werden. Bei über 60% der dokumentierten Komplikationen handelte es sich um oberflächliche Wundinfektionen oder um „sonstige“ Komplikationen. Hinter diesem Begriff können sich Komplikationen ganz unterschiedlichen Schweregrades verbergen, die nicht in jedem Fall für den Lebendspender relevant sein müssen.
Die BQS-Fachgruppe wird jedoch bei zwei Krankenhäusern, die für mehr als 25% der Nierenlebendspender mindestens eine behandlungsbedürftige Komplikation dokumentiert haben, die Ursachen dafür im Strukturierten Dialog analysieren.