Qualitätsziel
Möglichst selten behandlungsbedürftige Abstoßung
Hintergrund des Qualitätsindikators
Aufgrund von Gewebeunverträglichkeiten zwischen Organempfänger und Organspender kann es zu einer Abstoßung des transplantierten Organs kommen. Die Mehrheit der akuten Abstoßungsepisoden findet im ersten Jahr nach der Transplantation statt und betrifft etwa 15 bis 35% aller Transplantatempfänger (Webster et al. 2006). Danach sinkt die Wahrscheinlichkeit, eine akute Abstoßung zu erleiden. Die Anzahl der beobachteten Abstoßungsreaktionen hängt auch davon ab, ob die Abstoßung über die feingewebliche Untersuchung des Nierentransplantats oder die klinische Diagnose des behandelnden Arztes definiert wird.
Faktoren, die das Risiko für eine behandlungsbedürftige Abstoßung erhöhen, sind Empfängeralter, Sensibilisierung und CMV-Infektion (Pallardó Mateu et al. 2004). Die zuverlässige Einnahme der immunsuppressiven Medikamente durch den Patienten (Compliance) spielt bei der Vermeidung von Abstoßungen eine entscheidende Rolle, ist jedoch nicht immer gewährleistet (Butler et al. 2004). Weitere Einflussgrößen für eine erhöhte Abstoßungsrate sind die kalte Ischämiezeit und die Art und Dosierung des immunsuppressiven Regimes (USRDS Annual Report 2006, Merkus et al. 1991). Die akute Abstoßung eignet sich als Indikator für die Frühfunktion des Transplantats und für das Langzeitergebnis (Kwon et al. 2005, Pallardó Mateu et al. 2004, First 2003).
Bei der Bewertung der Ergebnisse zu diesem Qualitätsindikator ist zu berücksichtigen, dass eine hoch dosierte immunsuppressive Behandlung und eine dadurch reduzierte Anzahl von Abstoßungsreaktionen die Rate an Infektionen und anderen Komplikationen nach Nierentransplantationen erhöhen kann. Daher ist die gemeinsame Betrachtung mit anderen Qualitätsindikatoren sinnvoll, um mögliche Fehlsteuerungen zu vermeiden.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2006
Auf der Basis der Ergebnisse der Bundesauswertung 2006 wurden zwei Krankenhäuser zu einer Stellungnahme aufgefordert. Nach intensivem Dialog zwischen der BQS-Fachgruppe und den Transplantationszentren wurde eines der Krankenhäuser als qualitativ unauffällig eingestuft. Das andere Krankenhaus hat bereits konkrete Verbesserungen eingeleitet. Eine Kontrolle der Ergebnisse dieser Krankenhäuser wird auf Basis der Daten des Erfassungsjahres 2007 erfolgen.
Bewertung der Ergebnisse 2007
Die Gesamtrate der Patienten, die nach Nierentransplantation während des stationären Aufenthaltes behandlungsbedürftige Abstoßungen erlitten haben, lag im Erfassungsjahr 2007 bei 17,7%. Diese Gesamtrate erscheint im Vergleich zu Angaben in der wissenschaftlichen Literatur zunächst niedrig. Da jedoch lediglich behandlungsbedürftige Abstoßungen während des stationären Aufenthalts (im Median 21 Tage) berücksichtigt werden und die Gesamtrate dem Vorjahreswert entspricht, ist das Ergebnis nach Auffassung der BQS-Fachgruppe Nieren- und Pankreastransplantation plausibel und Ausdruck guter Versorgungsqualität.
Nur zwei Krankenhäuser dokumentierten bei mehr als 40% der Patienten mindestens eine behandlungsbedürftige Abstoßung. Die Ursachen für die auffälligen Raten werden im Strukturierten Dialog analysiert.