Qualitätsziel
Niedrige Krankenhaus-Letalität
Hintergrund des Qualitätsindikators
Die ambulant erworbene Pneumonie ist die häufigste durch Infektion bedingte Todesursache in Deutschland. Ca. 10% aller ambulant und stationär behandelten Patienten versterben im Akutstadium und insgesamt mehr als 15% innerhalb des folgenden halben Jahres nach Diagnosestellung (CAPNETZ 2006), wobei die Letalitätsrate mit dem Lebensalter und Vorliegen von definierten Risikofaktoren in engem Zusammenhang steht (Kohlhammer et al. 2005). Nach Menéndez et al. (2004) geht eine unzureichende Pneumonie-Behandlung mit einer bis zu elffach erhöhten Letalität einher.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2006
Im Strukturierten Dialog 2007 wurden zur Rate der Krankenhaus-Letalität bezogen auf die Pneumonie-Patienten (ohne Risikoadjustierung) 31 numerisch auffällige Krankenhäuser um eine Stellungnahme gebeten (48%). In 18 Fällen (58%) wurde eine besondere klinische Situation als Ursache für die Auffälligkeit benannt. Ein Krankenhaus wurde als qualitativ auffällig bewertet. 22 Krankenhäuser wurden als unauffällig bewertet, werden aber im nächsten Jahr erneut kritisch beobachtet.
Bewertung der Ergebnisse 2007
13,9% der wegen einer ambulant erworbenen Pneumonie stationär behandelten Patienten sind im Jahr 2007 während des Krankenhausaufenthaltes verstorben. Die Rate ist damit im Vorjahresvergleich um 0,5 Prozentpunkte zurückgegangen.
Obwohl dieses Ergebnis im Vergleich zu Ergebnissen wissenschaftlicher Studien relativ hoch erscheint, kann es nicht als Ausdruck schlechter Versorgungsqualität interpretiert werden. Der Vergleich mit wissenschaftlichen Studien ist nicht aussagekräftig, da für die externe Qualitätssicherung eine Vollerhebung für die reale Versorgungssituation aller behandelten Patienten erfolgt, in Studien aber Patienten mit besonderen Risiken häufig ausgeschlossen werden (z.B. schwere Begleiterkrankungen, Aufnahme aus stationären Pflegeeinrichtungen). Auch werden Patienten mit „erwartet tödlichem Ausgang“ in wissenschaftlichen Studien nicht ausgewertet. Dies zeigt sich auch daran, dass der Median des Alters der Patienten in der BQS-Erhebung mit 77 Jahren deutlich über dem Median in den Studien liegt.
Auffällig ist nach wie vor die hohe Spannweite (0,0 bis 16,7%) der Patienten mit niedrigem Risiko (Risikoklasse 1). Hier muss eine Klärung der Ursachen dieser auffälligen Ergebnisse im Strukturierten Dialog erfolgen.
Derzeit ist nicht bekannt, in wie vielen Fällen ein bewusster Therapieverzicht bei Patienten mit einer Pneumonie im terminalen Stadium einer schweren Erkrankung erfolgt. Daher hat die BQS-Fachgruppe im Datensatz 2008 ein neues Datenfeld eingeführt. Mit diesem Datenfeld wird der in der Patientenakte schriftlich dokumentierte Verzicht auf die antimikrobielle Therapie im Einverständnis mit dem Patienten bzw. Betreuer oder Bevollmächtigten abgefragt. Durch diese Erfassung können Fälle von palliativer Behandlung der Pneumonie-Patienten bei der Berechnung der Krankenhaus-Letalität künftig gesondert dargestellt werden.