Berechnung risikoadjustierter Kennzahlen
Im logistischen Regressionsmodell lässt sich für jeden Patienten unter Berücksichtigung der jeweiligen Risikostruktur die Wahrscheinlichkeit p, Dekubitus neu zu entwickeln, mithilfe folgender Formel berechnen:
Dabei stehen x1 bis xn für die Risikofaktoren (mit dem Wert 1 bei Vorliegen und dem Wert 0 bei Nichtvorliegen des jeweiligen Risikofaktors), β0 für die Konstante und β1 bis βn für die Regressionskoeffizienten. So berechnet sich zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, Dekubitus Grad 2 bis 4 neu zu entwickeln, für einen Patienten ohne Mikrobewegungen bei Aufnahme und mit Diabetes mellitus, der aber ansonsten keine Risikofaktoren aufweist (also jünger als 85 Jahre ist und nicht auf der Intensivstation versorgt wurde), zu:
Ist der Patient dagegen älter als 85 Jahre, müssen bei der Berechnung der Wahrscheinlichkeit zusätzlich zu den Hauptfaktoren „Diabetes mellitus“ und „Alter ≥ 85 Jahre“ auch die Wechselwirkungen zwischen beiden Faktoren berücksichtigt werden:
Berechnet man für alle Patienten eines Krankenhauses auf diese Weise unter Berücksichtigung der individuellen Risikoprofile die Wahrscheinlichkeiten und bildet hierüber den Mittelwert, erhält man die aus dem Patientenmix resultierende erwartete Rate („E“ für „Expected“) von Dekubitusneuentstehungen des betreffenden Krankenhauses. Diese erwartete Rate E wird mit der tatsächlich beobachteten Rate O von Dekubitusneuentstehungen verglichen („O“ für „Observed“). So lässt sich über das Verhältnis O/E erkennen, wie groß die Abweichung der beobachteten Rate eines Krankenhauses in Relation zur erwarteten Rate ist. Wäre zum Beispiel E = 3,5% und O = 2,6%, so beträgt das Ergebnis des Krankenhauses das 0,74-fache des erwarteten Wertes (0,74 = 2,6%/3,5%). Das Ergebnis wäre 26% besser, als nach der Risikostruktur der Patienten zu erwarten gewesen wäre. Abbil-dung 1 zeigt die Verteilung für O und E für alle Krankenhäuser sowie die Differenz O-E.
Zur Berechnung risikoadjustierter Krankenhausraten wird die Verhältniszahl O/E mit der bundesweit beobachteten Gesamtrate an Dekubitusneuentstehungen multipliziert. Sie beschreibt für jedes Krankenhaus die Rate, die erreicht worden wäre, wenn das Krankenhaus denselben Patientenmix wie die anderen Krankenhäuser gehabt hätte. Damit werden alle Krankenhausergebnisse direkt miteinander vergleichbar.