Dr. Christof Veit
Trend zur Verbesserung ungebrochen – aber weiterhin Handlungsbedarf
Die Ergebnisse der externen Qualitätssicherung des Jahres 2007 zeigen: Der Trend zur Verbesserung der Ergebnisse der externen Qualitätssicherung ist ungebrochen. In den Bereichen mit dem dringendsten Handlungsbedarf ist die stärkste Dynamik von Verbesserungen sichtbar.
Diese Entwicklung ist erfreulich und weist darauf hin, dass die eingeleiteten Maßnahmen der letzten Jahre sinnvoll und wirksam sind.
Trotz dieser Feststellung darf nicht verkannt werden, dass in praktisch allen Bereichen der externen Qualitätssicherung weiterhin Handlungsbedarf besteht. Auch bei Indikatoren, die bereits seit Jahren gute Gesamtergebnisse aufweisen, können Krankenhäuser identifiziert werden, die die geforderten Qualitätsstandards nicht erreichen. Bei 20 von 194 Indikatoren sehen die Experten der BQS-Fachgruppen besonderen Handlungsbedarf, der über die Maßnahmen des Strukturierten Dialogs mit den auffälligen Krankenhäusern hinausgeht.
Dynamische Verbesserung bei Indikatoren mit niedrigem Ausgangsniveau
Bei allen Indikatoren, deren Gesamtergebnisse in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau lagen und bei denen daher Maßnahmen des Strukturierten Dialogs mit besonderer Intensität durchgeführt wurden, hat sich der bereits im Vorjahr sichtbare Trend zur Ergebnisverbesserung fortgesetzt.
Am Beispiel des Indikators „Erste Blutgasanalyse oder Pulsoxymetrie“ aus dem Leistungsbereich „Ambulant erworbene Pneumonie“ kann dieser Trend illustriert werden:
Dieser Indikator misst, wie häufig bei Patienten, die wegen einer Lungenentzündung stationär aufgenommen wurden, innerhalb der ersten acht Stunden im Krankenhaus die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen wurde. Diese Messung ist einfach durchzuführen und hat eine hohe Aussagekraft. Sie ermöglicht in Fällen, in denen ein Sauerstoffmangel auch von erfahrenen Ärzten nicht auf den ersten Blick erkannt werden kann, eine frühzeitige diagnostische Einschätzung des Schweregrads einer Lungenfunktionsstörung. Sie erhöht auch bei weniger erfahrenen Ärzten in der Weiterbildung die Behandlungssicherheit. Daher wird diese einfach durchzuführende Untersuchung als unverzichtbar eingestuft.
Die Ergebnisse dieses Indikators haben sich seit seiner Einführung im Jahr 2005 kontinuierlich verbessert (siehe Abbildung 1). Im Vergleich mit 2006 (74,8%) haben sich die Ergebnisse um fast zehn Prozentpunkte auf 84,1% verbessert, die Dynamik der Verbesserung ist also ungebrochen. Dennoch verfehlt dieses Ergebnis das vorgegebene Ziel von 95% deutlich, so dass trotz der erfreulichen Entwicklung keine ausreichende Versorgungsqualität festgestellt werden kann.
Die Fachgesellschaften für Pneumologie und Innere Medizin haben daher die Konsequenz gezogen, die Ergebnisse der externen Qualitätssicherung bei den letzten Jahreskongressen in Workshops vorzustellen, um auf breiter Front die Umsetzung einer leitliniengerechten und hochwertigen Versorgung zu unterstützen.
Variabilität der Versorgung bei Indikatoren mit guten Gesamtergebnissen
Bei einer Reihe von Qualitätsindikatoren zeigen die Gesamtergebnisse bereits seit Jahren eine Versorgung auf hohem Niveau. Beim Blick auf die Verteilung der Ergebnisse der einzelnen Krankenhäuser wird jedoch sichtbar, dass die geforderten Qualitätsstandards immer noch nicht in allen Krankenhäusern erreicht wurden.
Der Indikator „Antibiotikaprophylaxe“ im Leistungsbereich „Implantation von Endoprothesen des Hüftgelenks“ verdeutlicht diesen Sachverhalt:
Der Indikator misst, wie häufig vor dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks ein Antibiotikum gegeben wurde, um Infektionen der Operationswunde vorzubeugen. Bei dieser Prophylaxe handelt es sich um einen anerkannten wissenschaftlichen Standard.
Hier hat sich das Gesamtergebnis von 98,8% im Jahr 2006 auf 99,3% im Jahr 2007 weiter verbessert. Abbildung 2 zeigt, dass bei diesem Indikator bereits seit 2004 eine Versorgung auf hohem Niveau erfolgt. Der Blick auf die Spannweite, also die höchsten und niedrigsten Krankenhausergebnisse, zeigt jedoch, dass viele Krankenhäuser zwar die Prophylaxe in 100% der Fälle durchführen, dies im Krankenhaus mit dem niedrigsten Ergebnis allerdings nur in 7,5% der Fälle dokumentiert wurde. Hier besteht weiterhin die Notwendigkeit, gezielt auf eine Verbesserung der Versorgung hinzuwirken.
Besonderer Handlungsbedarf
Die Experten der BQS-Fachgruppen haben die Ergebnisse aller Indikatoren analysiert und bewertet. Für jeden Indikator wurde gezielt geprüft, ob besonderer Handlungsbedarf besteht, d.h., dass über die Maßnahmen zur Qualitätsförderung im Strukturierten Dialog hinaus „besonderer Handlungsbedarf“ erforderlich ist. Ursachen dafür können sein, dass die Gesamtergebnisse der Indikatoren nicht die vorgegebenen Zielbereiche erreichen oder dass bei besonders vielen Krankenhäusern auffällige Ergebnisse vorliegen.
Bei 20 Qualitätsindikatoren wurde ein solcher „besonderer Handlungsbedarf“ festgestellt. Hier suchen der G-BA zusammen mit der BQS und den Patientenvertretern den Dialog mit der Landesebene, mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften sowie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Zu klären ist, wie erkennbare Defizite in der Versorgung am effektivsten behoben werden können. Zu solchen Maßnahmen zählen u.a. eine gezielte Durchführung des Strukturierten Dialogs mit den betroffenen Krankenhäusern und die Diskussion der Ergebnisse auf Fachkongressen ggf. mit dem Hinweis auf eine noch unvollständige Umsetzung Evidenz-basierter Leitlinien in der Patientenversorgung. Tabelle 1 zeigt die Indikatoren mit besonderem Handlungsbedarf in einer Übersicht.
Der Qualitätsreport 2007:
Inhalte und Ausblick
Auf den folgenden Seiten finden Sie eine Darstellung der 26 Leistungsbereiche und eine Auswahl von 100 der 194 ausgewerteten Qualitätsindikatoren. Sie können sich hier sowohl über die Methoden und Inhalte dieses Verfahrens als auch dessen Ergebnisse und Entwicklungen ausführlich informieren. Hinweise zur Verbesserung dieses Qualitätsreports nehmen wir stets gerne entgegen. Wir versuchen, ihn weiterhin zu verbessern.
Während dieser Bericht in Druck geht, wird in den Bundesländern bereits der Strukturierte Dialog zu diesen Ergebnissen intensiv geführt oder schon abgeschlossen. Die Vorbereitungen für die Auswertungen 2008 laufen auf Hochtouren. Ebenso werden beim G-BA die Erfahrungen mit den Qualitätsberichten 2007 gesammelt für die Neukonzeption des entsprechenden Berichtsformats in 2009, d.h. auch für die Festlegung der zu veröffentlichenden Qualitätsindikatoren.
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf die Vergabe des Institutsauftrags nach §137a SGB V durch den G-BA, dessen Ausschreibungsverfahren derzeit noch läuft. Aus dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz ergeben sich erweiterte Möglichkeiten zur Qualitätssicherung, die von Fachexperten schon lange gewünscht worden waren. Dazu zählen die sektorenübergreifende Qualitätssicherung und die Einbeziehung von Langzeitergebnissen in die Qualitätsdarlegung.
Insofern ist dies der letzte Qualitätsreport, der noch gänzlich unter der Ägide des alten G-BA und der BQS als Bundesgeschäftsstelle entstanden ist. Der Vergleich der Qualitätsberichte der letzen Jahre zeigt, welch große Fortschritte die Verfahren gemacht haben – mit bestens vorzeigbaren Ergebnissen. Die Entscheidung des G-BA, diese traditionellen Projekte bis Ende 2009 durch die bisherigen Einrichtungen auf Landes- und Bundesebene fortführen zu lassen, ermöglicht einen guten, behutsamen Übergang in die neuen Regelungszusammenhänge. So können die positiven Errungenschaften des BQS-Verfahrens mit erweiterten Möglichkeiten und im Netzwerk der dann verantwortlichen Institutionen fortentwickelt werden mit dem unveränderten Ziel, für die kontinuierliche Verbesserung der Versorgung von Patienten einen wichtigen Beitrag zu leisten.
Dank
An dieser Stelle sei auch im Namen des ganzen BQS-Teams allen sehr herzlich gedankt, die diesen Qualitätsreport ermöglicht haben: dem Gemeinsamen Bundesausschuss als Auftraggeber, den Mitarbeitern der Krankenhäuser, den Ärzten, Pflegekräften und Patientenvertretern in den Fachgruppen auf Bundes- und Landesebene, unseren Kolleginnen und Kollegen in den Landesgeschäftsstellen und allen, die zu unserer Arbeit in vielfältiger Weise
beigetragen oder diese kritisch und konstruktiv begleitet haben.
Düsseldorf, im Juli 2007
Dr. Christof Veit
Geschäftsführer der BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH